Mit ihrem ersten Album „Compliments Please“ etabliert sich die durch das Indiefolk-Duo Slow Club bekannt gewordene Rebecca Lucy Taylor unter dem Namen Self Esteem 2019 als Solokünstlerin, mit ihrem zweiten Werk „Prioritise Pleasure“ sorgt sie zwei Jahre später für regelrechte Begeisterungsstürme unter Musikkritikern. Die britischen Zeitungen „The Guardian“ und „The Sunday Times“ kürten es zum besten Album 2021. Ein herausragender Song des Albums ist sicher „I Do This All The Time“, den der „Guardian“ zum besten des Jahres wählte. Ob die Britin sich derartige Erfolge hat träumen lassen, als sie 2017 ihre erste Self-Esteem-Single „Your Wife“ veröffentlichte?
Hört man ihrer Musik zu, gewinnt man den Eindruck, als sei kommerzieller Erfolg gar nicht das, worum es bei Self Esteem primär geht. Taylor verfolgt scheinbar höhere Ziele als hohe Chartplatzierungen. Das ist in der Popmusik wahrlich nicht immer der Fall, doch Singles wie „You Forever“, „Moody“ oder „How Can I Help You“ zeigen, dass Pop-Songs gleichzeitig bedeutungsvoll sein und trotzdem zum Feiern und Tanzen auffordern können. Denn die Tracks auf „Prioritise Pleasure“ sind nicht weniger als das, was man gemeinhin als „Banger“ bezeichnet.
Self Esteem rät: „Prioritise Pleasure“!
In ihren Lyrics befasst sich Rebecca Lucy Taylor mit wichtigen Themen wie toxischen Beziehungen oder der Unabhängigkeit und dem Selbstwertgefühl (englisch: self esteem) von Frauen. Mit Self Esteem drückt die Musikerin offen und direkt aus, was ihr auf dem Herzen liegt, ohne sich dabei zu zensieren oder zu entschuldigen. Und sie spricht damit vielen Frauen aus der Seele, etwa denen, die ihre eigenen Bedürfnisse hinter die anderer Menschen stellen oder gestellt haben. Diesen Frauen rät sie: „Prioritise Pleasure“ – denkt zur Abwechslung mal zuerst an euer eigenes Vergnügen. „I Do This All The Time“ ist die perfekte Hymne zu dieser Haltung.
Mit Statements dieser Art, verpackt in experimentelle, intensive Popmusik, trifft Self Esteem den Nerv der Zeit. Musikalisch scheint dabei beinahe alles möglich, was es ungeheuer spannend macht, die Entwicklung dieser außergewöhnlichen Künstlerin zu verfolgen. Anders als es bei Slow Club der Fall war, bietet das Soloprojekt Taylor alle Möglichkeiten, sich frei zu entfalten. Und das dürfte nicht nur die Sängerin und Schlagzeugerin selbst glücklich machen, sondern alle diejenigen, die kraftvolle Popmusik wie die von Self Esteem zu schätzen wissen.