Lange bevor die Diskussion um nichtbinäre Geschlechtsidentitäten gesellschaftsfähig wird, präsentiert sich Placebos Sänger Brian Molko Mitte der 1990er-Jahre als androgyne Lichtgestalt. Seine schillernde Erscheinung findet im aussergewöhnlichen Sound der Band ihre musikalische Entsprechung: Eindringliche Vocals treffen auf harte Gitarrenriffs, wummernde Beats auf melancholischen Weltschmerz. Placebo rühren an den Nerv einer Generation, ihre Songs avancieren zu Hymnen.
Dass man sich meistens mehrmals im Leben begegnet, bewahrheitet sich wieder einmal, als die ehemaligen Schulkameraden Brian Molko und Stefan Olsdal 1994 in einer Londoner U-Bahn-Station zufällig aufeinandertreffen. Zwar verbindet die beiden nicht viel mehr als eine lose Bekanntschaft – dennoch findet Olsdal zunächst seinen Weg zum Gig von Molko und später in das Band-Line-up. Zusammen mit Robert Schultzberg, der später von Steve Hewitt ersetzt wird, treten Placebo als Trio ins Rampenlicht.
In David Bowies Windschatten: Placebo starten durch
Während andere Bands Jahre damit verbringen, ihre Karriere ins Rollen zu bringen, ist Placebo bereits in der frühen Phase ihrer gemeinsamen Historie das Glück hold. Kein geringerer als Pop-Ikone David Bowie wird auf die Demobänder der Newcomer aufmerksam und lädt sie dazu ein, ihn als Support auf seiner Tour zu begleiten. Noch bevor das Debütalbum erscheint, spielen Placebo Shows vor zigtausenden Musikliebhabern. Besser könnten die Vorzeichen kaum stehen.
Nach einem kurzen Gastspiel beim Label Fierce Panda unterzeichnen Placebo 1996 einen Vertrag bei Deceptive Records, die bereits bekannte Indie-Bands wie Elastica vertreten. Gleich die erste Single, „Nancy Boy“, steigt in die Top 5 der britischen Charts ein. Placebo werden für ihre Individualität gefeiert und schaffen es in der Folge, einen bandtypischen Sound zu etablieren. Dabei stehen vor allem Brian Molkos hypnotische Stimme und treibende Gitarrenklänge im Fokus. Auch bei späteren Hits wie „The Bitter End“ ist der Stil von Placebo unverkennbar.
Auf die Placebo-Tour im Vorprogramm von Bowie folgt eine ausgedehnte Konzertreise mit der irischen Rock-Formation U2. Placebo erspielen sich ihr eigenes Publikum und wagen erste Ausflüge ins Film-Business.
Placebo schreiben Geschichte
Vom Newcomer zum Kultstatus: Mit dem von David Bowie produzierten zweiten Album namens „Without You I’m Nothing“ nimmt Placebos Karriere spätestens 1998 richtig Fahrt auf. Nach einem Cameo-Auftritt im Todd-Haynes-Film „Velvet Goldmine“ erwartet die Band gleich der nächste Kino-Coup. Zwar sind sie im Coming-of-Age-Thriller „Eiskalte Engel“ nicht selbst zu sehen, doch der von Placebo komponierte Titelsong „Every You Every Me“ avanciert zum Welthit.
Ein Erfolg jagt den nächsten. Diese Placebo-Alben platzieren sich in den Top Ten der deutschen Charts:
- „Black Market Music“
- „Sleeping With Ghosts“
- „Meds“
- „Battle For The Sun“
- „Loud Like Love“
- „MTV Unplugged“
- „A Place For Us To Dream – 20 Years Of Placebo“
Kollaborationen mit Megastars wie R.E.M.-Frontman Michael Stipe und spektakuläre Auftritte wie im Jahr 2008 vor der Kulisse der berühmten kambodschanischen Tempelanlage Angkor Wat zementieren Placebos Ruf als Alternative-Rock-Legenden.
Lange Zeit steht Mastermind Brian Molko der Verbreitung von Musik über Streaming-Portale wie YouTube oder Spotify kritisch gegenüber. Schliesslich söhnt er sich jedoch mit der medialen Genusskultur des 21. Jahrhunderts aus.
Placebo – Das lang ersehnte Comeback
Nach rund fünfjähriger Pause melden sich Placebo im Herbst 2021 gleich mit zwei neuen Singles zurück. „Beautiful James“ und „Surrounded By Spies“ knüpfen dabei nahtlos an den typischen Placebo-Sound an. Fans können sich also endlich wieder Placebo-Tickets sichern, um ihren Idolen so nah wie möglich zu sein.