Jedes bisherige Album des strahlenden und kraftvollen französischen Trios SLIFT – bestehend aus den Brüdern Jean und Rémi Fossat sowie dem Schlagzeuger Canek Flores, einem Freund seit der Schulzeit – war eine Fantasie – ein Mix aus Genres und Formen, der es der Band ermöglichte, zu improvisieren und Themen so lange zu jammen, bis sie sich scheinbar gemeinsam in den Weltraum aufschwangen. Doch in einer gewollten Ironie heißt SLIFTs viertes Album „Fantasia“, ohne tatsächlich eine zu sein. Stattdessen ist es ihr schnörkellosestes und direktestes Album, eine pointierte Saga über die Überwindung internationaler Umbrüche, vorgetragen von einer Band, die ohne eine Sekunde zu verschwenden vorprescht. SLIFT wollte die Botschaft nicht durch zu viel Spielerei verwässern. Sie bereiten sich auf einen Kampf vor, den wir ihrer Meinung nach noch gewinnen können.
Als Jean Fossat den Kern von „Fantasia“ schrieb, dachte er viel über Jorge Luis Borges nach, den argentinischen Autor, dessen Fiktion geschickt Elemente von Magie und Surrealität in Orte und Handlungen einflocht, die sich fast real anfühlten. (SLIFT hat sogar den Songtitel „Orbis Tertius“ von Borges übernommen.) „Fantasia“ ist also eine imaginäre Stadt, die von einem Gefühl der Unwissenheit und Fremdenfeindlichkeit geplagt wird, von dem Versuch, alles zu beseitigen, was die akzeptierte Ordnung stört. Die Stadt rückt in „Corrupted Sky“ in den Fokus, wo Fossats Erzähler versucht, dem Untergang zu entgehen, als er dort ankommt. In der zweiten Hälfte des Albums keimt Hoffnung auf, als die Menschen sich daran erinnern, dass sie mehr sind als die unterdrückende Gleichförmigkeit ihrer Gesellschaft. In diesen acht Songs geht es also darum, auf die Kraft zu vertrauen, sich zu wehren, so verborgen sie auch erscheinen mag.