"Sie sind zurück, und zwar mit all ihrer Macht." So zumindest hat es der Hollywood-Reporter Craig Rosen 2006 in seiner begeisterten Review über den fulminanten Comeback-Auftritt der Brand New Heavies im legendären Roxy Nightclub ausgedrückt. Und wer bei diesem ersten US-Gig der Band in alter Besetzung nach fast einem Jahrzehnt in Los Angeles zugegen war, der konnte nicht anders, als mit offenem Mund dazustehen und zustimmend mit dem Kopf zu nicken. Denn das war pure Magie. Die triumphale Rückkehr der Heavies bedeutet nicht weniger als das erneute Auftauchen einer der innovativsten, einflussreichsten und damit wichtigsten R&B- und Funk-Bands der letzten 15 Jahre. Und in Anbetracht der Tatsache, wie viele neue Gruppen tagtäglich aus dem Boden sprießen, ist das wirklich eine ganze Menge.
Mitte der 80er Jahre haben Simon Bartholomew, Jan Kincaid und Andrew Levy, vorrangig inspiriert durch James Bown And The Meters, ihre Liebe für amerikanische Funk- und Soul-Musik in der Gründung der Band The Brand New Heavies münden lassen – damals noch komplett instrumental. In ihrer Heimatstadt London haben sie damit nahezu perfekt in die aufkommende Rare Groove- und Acid Jazz-Szene gepasst, die derzeit die Clubs beherrscht und außerdem solche bemerkenswerte Gruppen wie Jamiroquai und Incognito hervorgebracht hat. Durch die guten Kontakte ihres US-Labels Delicious Vinyl, haben die Heavies in den 90ern dann plötzlich eine Stimme gefunden. N'Dea Davenport wurde als Frontfrau engagiert und hat der Gruppe mit ihrem unvergleichlichen Organ auf "Never Stop", einem Highlight ihres selbstbetitelten Debüt-Albums, ihren ersten großen Hit beschert (Platz 3 der US R&B-Charts). Im UK ist das Erstlingswerk der Band von der Kritik seinerzeit hoch gelobt worden und konnte der wachsenden Fan-Gemeinde noch einige weitere Hits wie "Dream Come True" und "Don't Let It Go To Your Head" liefern.
Auf Heavy Rhyme Experience: Vol. 1, dem zweiten Album der Heavies, wurden mit Leuten wie Grand Puba, Kool G Rap und Gang Starrs Guru einige der angesagtesten Rapper der damaligen Zeit gefeaturet. Diese Tatsache unterstreicht auch heute noch das außergewöhnliche Standing der Gruppe, bereits in ihren Anfängen ein wichtiges Bindeglied zwischen den beiden Welten von Rap und R&B gewesen zu sein.
Brother Sister, das dritte Brand New Heavies-Album aus dem Jahr 1994, hat ähnlich bahnbrechende Impulse durch Crossover-Hits wie "Dream On Dreamer", "Midnight At The Oasis" und "Back To Love" setzen können. Entsprechend gewaltig war die Welle an Zuspruch von Kritikern, Musiker-Kollegen und Fans gleichermaßen, die im Laufe ihrer Karriere vier ihrer Singles in die Top 20 katapultiert haben: "Never Stop" (1991), "Stay This Way" (1991), "Dream On Dreamer" (1994) und "Sometimes" (1997). Damit haben sich die Heavies nicht nur als unendlich kreative, sondern auch als wahnsinnig erfolgreiche Band etablieren können, der zudem durch ihr Werken und Wirken auch ein massiver Einfluss auf die Geburt der Neo Soul-Bewegung mit gefeierten Künstlern wie D'Angelo, Jill Scott und Erykah Badu zuzuschreiben ist.
Auf dem Höhepunkt ihres Erfolges beschloss N'Dea Davenport jedoch Mitte der 90er, eine Solokarriere einzuschlagen. In Folge dessen hat die Band mit vielen verschiedenen und durchaus talentierten Sängerinnen zusammengearbeitet, die jedoch alle nicht in der Lage waren, eine ähnliche musikalische Energie und Synergie herzustellen, wie es mit N'Dea möglich war. Trotzdem haben die Heavies 1997 ihr viertes Album Shelter veröffentlicht, auf dem Siedah Garrett die Vocals übernommen hat, und auf dem dennoch solche Klassiker wie "Sometimes" und "You Are The Universe" zu finden sind.
Nachdem die Heavies ihr Label Warner Music im Jahr 2000 verlassen hatten, verschwand die Gruppe eine ganze Weile von der medialen Bildfläche, um unterhalb des Hit-Versessenen Radars der Musikindustrie jedoch weiterhin unaufhörlich an Stücken zu feilen und Gigs zu spielen, denn die weltweite Nachfrage war immer noch immens. So hat die Band ihr Album We Won't Stop lediglich in Japan veröffentlich, was die Platte mittlerweile zu einem raren und äußerst begehrten Sammelobjekt für Fans auf dem ganzen Erdball macht.
Zwei Jahre später haben sich The Brand New Heavies dann auch wieder im Vereinigten Königreich mit ihrem Album All About The Funk zurückgemeldet, dass zwar von der Presse sehr gut aufgenommen wurde, an die kommerziellen Erfolge aus früheren Tagen jedoch nicht anknüpfen konnte.
Doch nach einem vollen Jahrzehnt ohne N'Dea Davenport haben sich The Brand New Heavies danach endlich wieder in Originalbesetzung zusammengetan, in der sie bis heute bestehen.
So wurde 2006 die Platte Get Used To It (wieder mit N'Dea) zuerst in den Vereinigten Staaten veröffentlicht, und zwar nicht nur durch die Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen Label-Partner Delicious Vinyl im regulären Einzelhandel, sondern auch über einen spektakulären Vertriebsdeal mit der Kaffee-Kette Starbucks. Im Anschluss daran wurde das Album durch verschiedene Lizenznehmer und Vertriebsdeals auch in der restlichen Welt erhältlich gemacht. Durch das große Medienecho und die Forderungen der Fans, hat die Band im Jahr 2006 unzählige Konzerte in den USA, Europa und Japan gespielt, begleitet von TV-Auftritten bei Conan O'Brien und Jimmy Kimmel in den USA und Charlotte Church im UK, bei dem sie eine unvergessliche Version der "Seven Nation Army" von den White Stripes zum Besten gegeben haben.
Als Teil der BBC-Serie "Soul Britannia" haben The Brand New Heavies im Februar 2007 dafür gesorgt, dass das gesamte The Barbican in London bis auf den letzten Platz gefüllt gewesen ist. Im Mai war die Band dann Headliner des prestigeträchtigen 40-jährigen Jubiläums des sagenumwobenen Southport Soul Weekenders, und im Juni hat die Gruppe den krönende Schlusspunkt am letzten Abend des Capital Jazz Festivals in Washington DC setzen können. Auch in Europa ist die Band den kompletten Sommer hindurch getourt und hat die tobenden Massen in Verzückung versetzt.
Im August 2007 ging es für die Band dann wieder zurück nach Amerika, um dort ihre dritte Tour binnen eines Jahres zu bestreiten, und zwar mit Co-Headliner Macy Gray, was nicht nur für beide Acts, sondern auch für sämtliche Fans das reinste Vergnügen war. Auch die Get Used To It-Platte der Heavies lief sehr gut an und hat die alte Fan-Base wieder reanimiert, die schließlich lange genug auf die Rückkehr von N'Dea hat warten müssen. Aufgrund der ungebrochen großen Nachfrage hat die Band den November dann mit ihrer zweiten großen Japan/Korea-Tour binnen 12 Monaten beendet, während in der Zwischenzeit bereits fleißig am siebten Studio-Album gewerkelt wurde.
2008 sind sie nach einer kurzen Auszeit im Februar nach LA zurückgekehrt, um dort im Vorfeld der 50. Grammy-Verleihung an der Seite von Vikter Duplaix und der Soul II Soul-Ikone Caron Wheeler aufzutreten. Niemand Geringerer als Prince hat es sich nicht nehmen lassen, sich die gesamte Show der Gruppe bis zum Ende anzusehen. Im Juni 2008 wurden The Brand New Heavies von der französischen Kosmetik-Marke Lancome dazu auserwählt, eine neue Version des Cole Porter-Klassikers "C'est Magnifique" für einen TV-Spot aufzunehmen, um damit die Kampagne für ein ganz neues Parfum namens Magnifique zu launchen, in dem auch Anne Hathaway (bekannt aus "Der Teufel trägt Prada") mitgewirkt hat. Die Kampagne läuft derzeit weltweit in über 65 Ländern und hat der Band eine noch nie dagewesene Aufmerksamkeit auf dem ganzen Globus zuteil werden lassen.
Im Sommer 2008 haben die Heavies bereits wieder auf europäischen Festivals zu touren begonnen, dazu kamen Auftritte vor dem Formel 1-Grand Prix in Singapur und dem Capital Jazz Cruise auf den Bermudas. Im Oktober startet nun ihre erste Europatournee seit knapp einem Jahrzehnt, und die erste, seit N'Dea wieder zur Gruppe zurückgekehrt ist. Um das Jahr richtig abzurunden, wird die Band im Dezember wieder einmal Japan bespielen, bevor sie sich eine wohlverdiente Pause gönnt, um 2009 endlich mit der Arbeit an ihrer neuen Platte beginnen zu können.
Wie hat es N'Dea doch so schön ausgedrückt: "Es ist schon interessant, nach all den Jahren endlich wieder zurück zu sein. Es ist wie mit dem Vergleich des Fahrradfahrens, das man ja auch nicht verlernt. Aber das Einschlagen unterschiedlicher Wege seit unserer ersten gemeinsamen Zeit eröffnet uns nun komplett neue Möglichkeiten, künstlerisch noch einmal richtig aufzublühen. Wir sind zwar in verschiedene Richtungen gegangen, aber mit dem neuen Album werden wir genau dort ankommen, wo wir immer schon hinwollten."
Und das kann nur ganz oben sein.
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