Engagiert dabei: Die achte Generation der Familie Knie.
Der Schweizer Nationalcircus überrascht jedes Jahr aufs Neue. Und dieses Jahr ganz besonders: Mit Artistinnen und Artisten aus 17 Ländern, darunter Weltrekordhalter und eine 15-Jährige auf dem Weg zur Legende, sowie ganz viel Spass. Zudem verwandelt eine Hightech-Lichtinstallation die Manege in ein anderes Universum. Ab 8. Mai und bis zum 7. Juni in Zürich auf dem Sechseläutenplatz. Später in Basel, Solothurn, Bern und weiteren Städten.
Wenn der 23-jährige Belgier die Aerial Straps erklimmt, hält das Publikum den Atem an. Der Tanz ist sein Fundament, die Akrobatik sein Vehikel. Das Ergebnis ist eine der berührendsten Nummern, die der Circus Knie seit Jahren gezeigt hat. Der Mann den das Programm schlicht «fliegenden Engel» nennt, erntet stehende Ovationen.
Zwei Menschen, ganz in Gold: Sie sind 45 und 50 Jahre alt, trainieren täglich und essen kalorienoptimiert. Abend für Abend hängen sie ohne Sicherung an den Strapaten unter der Kuppel. Ambra Faggioni und Yves Nicols sind das Duo «Golden Dream». Eine Glanzleistung, im wahrsten Sinne des Wortes.
Mit drei Jahren stand sie zum ersten Mal in der Manege. In dieser Saison zeigt sie erstmals eine Nummer der Hohen Schule. Es ist dieselbe Nummer, die ihre Mutter Géraldine vor vielen Jahren aufgeführt hat. Chanel Marie Knie ist 15, und Grossvater Fredy Knie, der grosse Pferdedresseur des Hauses, ist voll des Lobes: «Sie ist eine ausgezeichnete Pferdetrainerin.» Ihr Mentor fügt hinzu, sie habe einen starken Charakter, wie er weiter sagt: «Wenn sie sich etwas vorgenommen hat, geht sie auch mal mit dem Kopf durch die Wand.»
Die Handstand-Nummer von Valeriia Davydenko dauert nur ein paar Minuten auf der Bühne. Aber sie hält den Guinness-Weltrekord für den längsten Handstand, er dauerte über eine Stunde. Auf der Bühne gönnt sich die Ukrainerin keine einzige Pause, balanciert in glitzerndem Kostüm minutenlang auf einem Arm. Kraft, dargebracht in eleganter Weise.
Neun Motorradfahrer und eine Fahrerin aus Südamerika rasen mit bis zu 70 km/h in einer sechs Meter breiten Stahlkugel – und diese öffnet sich zudem mitten in der Vorstellung. Schlichtweg unglaublich.
An den Abendvorstellungen in Zürich ist jetzt auch Kaya Yanar mit von der Partie, wie wir im Januar bereits berichtet haben. Das allein ist ein Argument für den Besuch im Knie. Für Lachtränen sorgen auch die weiteren Spassmacher: Omar Matías Álvarez, genannt Matute, ist in Chile im Zirkus aufgewachsen, mit fünf Jahren schon im Rampenlicht. Er arbeitet mit Geräuschen, Gesten und präziser Menschenbeobachtung. Mit grossem Gespür sucht sich jeweilen seine Sparringpartner aus dem Publikum aus und macht sie in der Manege zu Stars. Und Bauchredner Willer Nocolodi leiht seine Stimme nicht nur seiner vorlauten Puppe Joselito, sondern lässt damit auch Leute aus dem Publikum «zu Wort kommen». Köstlich!
Die Familie Knie ist voll dabei. Der achtjährige Maycol junior begrüsst das Publikum gleich zu Anfang wie ein versierter Zirkusdirektor, später begeistern Ivan Frédéric mit seinen weissen Arabern und, wie schon erwähnt, die junge Chanel mit ihren Pferden. Drei Geschwister, achte Generation, voll engagiert. Die Legende setzt sich fort.