So posiert Chris Brown auf seinem neuen Album «BROWN».
Eigentlich hatte er versprochen, es kürzer zu machen. Es sind 27 Tracks geworden. Viel zu lang! Trotzdem ist das neue Album von Chris Brown überraschend gut.
Heute erscheint mit «BROWN» das zwölfte Studioalbum von Chris Brown. Schon der Titel ist typisch für diesen Mann: ein Akronym, das «Break Rules Only When Necessary» aufschlüsselt, also sinngemäss Regeln brechen, aber nur wenn nötig. Wobei «nötig» bei Brown offenbar grosszügig ausgelegt wird. Seit er 2005 als 16-Jähriger mit seiner ersten Single direkt auf Platz eins der US-Hot 100 schoss, hat er die Spielregeln des R&B nach eigenem Gusto umgeschrieben.
Das Cover hätte er sich nicht besser ausdenken können: Brown liegt da in Tan-Suit und Fedora. Diese Pose ist eine Anspielung auf Michael Jacksons «Thriller»-Cover von 1982, aber vielleicht auch auf die grossen R&B-Patriarchen Teddy Pendergrass und Luther Vandross.
Musikalisch ist «BROWN» zweigeteilt. Und das ist wörtlich gemeint. Die erste Hälfte gehört dem Schlafzimmer, dem Bass und Hitmaka-Produktionen, die für Platzierungen in Playlists optimiert sind. Wer durchhält, wird belohnt: Ab Track 16 zieht sich Brown zurück, die Beats werden langsamer und die Texte ehrlicher. «Hate Me» klingt wie echte Selbstzerfleischung, «Won't Let Me Leave» wie ein Mann, der sich selbst beim Lügen zusieht.
Den stärksten Moment liefert ausgerechnet das, was am weitesten von klassischem R&B entfernt ist: «Holy Blindfold», produziert von Jon Bellion, schichtet Dream-Pop über Gospelharmonien und lässt dem Arrangement endlich Luft zum Atmen. Und «It Depends» mit Bryson Tiller, das Ushers «Nice & Slow» sampelt, kletterte auf Platz drei der R&B-Charts und führte die Airplay-Liste an. Weil es einfach funktioniert, ohne gross darüber nachzudenken.
Den Sommer wird Brown ohnehin nicht im Studio verbringen. Ab Juni teilt er sich mit Usher die Bühne bei der gemeinsamen «The R&B Tour»: zwei Generationen, eine Bühne, vermutlich mega viel Konfetti. Wer den Breezy Bowl XX verpasst hat, der letztes Jahr fast 300 Millionen Dollar eingespielt hat, bekommt eine zweite Chance.