Was war damals der Auslöser für dich, Musik zu machen?
Meine Mutter erzählte, immer wenn früher in unserer Blockmietwohnung in Thun Elvis im Radio lief, hätte ich ganz aufmerksam zugehört. Auch die erste Platte, die ich selber gekauft habe, war von Elvis. Ich habe auch viel schwarze Musik gehört, James Brown, Ike und Tina Turner und auch Hard Rock. Das waren so Phasen. Heute höre ich alles gerne, das einigermassen Musik ist. Nicht gerade Rap. Rap kann ich nicht ausstehen.
Du hattest aber nie eine musikalische Ausbildung?
Irgendwann haben mir Nachbarn eine Gitarre geschenkt, mit Nylonsaiten. Darauf habe ich die ersten Griffe gelernt. Einfach so. Vorher hatte ich Gedichte geschrieben. Aus den Gedichten wurden dann Lieder.
Worum ging es in deinen Gedichten?
Schon als Goof hatte ich Mühe mit der Ungerechtigkeit in der Welt, Neid und Hunger, Armut und so weiter. Wenn du in der Pubertät bist, bist du mehr oder weniger radikal; hast selber nichts. Du denkst, alle Reichen seien Arschlöcher, was so ja auch nicht stimmt. Früher war ich viel radikaler. Heute schreibe ich mehr darüber, was mich im Moment gerade beschäftigt.
Du berührst die Leute damit.
Warum das so ist, weiss ich nicht. Es ist mir ein Rätsel.
Eine Begabung?
Ein Geschenk. Irgendjemand wollte, dass ich das Zeug singe.
«Ich glaube, dass das Gute immer gewinnt. Auch wenn unser Planet in die Luft fliegt.»
Bist du gläubig?
Nein. Also ich bin schon gläubig, denn ich glaube an das Gute. Ich glaube, dass das Gute immer gewinnen wird – ganz zum Schluss. Auch wenn unser Planet mal in die Luft fliegen sollte, wird das für das Weltall letztlich etwas Gutes haben. Warum, weiss ich zwar nicht. Vielleicht fängt alles wieder von Neuem an.
Hast du vor 20 Jahren mit dem Erfolg gerechnet?
Ich weiss nur noch, dass ich damals weltberühmt werden wollte. Gut, dass dies nicht passiert ist.
Wolltest du nie eine Weltkarriere anstreben? Du hast ja immer wieder mal auch auf Englisch gesungen.
Zwischendurch habe ich immer wieder Ambitionen gehabt. Aber mein Schicksal weiss schon, warum das nie passiert ist – und nie passieren wird.
Warum nicht?
Ich glaube, dass ich gar nicht glücklich wäre, wenn ich Welterfolg hätte.
Warum wolltest du denn mal weltberühmt werden?
Weil ich damals gar nicht wusste, was Erfolg ist.
Gibt es denn einen negativen Aspekt im Erfolg?
Abartig viel Negatives! Die Öffentlichkeit, überflüssigen Plunder, den man machen muss. Doch wenn man eine neue Platte hat, muss man es ja sagen und auch Promo machen.
Letztes Jahr haben deine Interviews kontroverse Reaktionen ausgelöst. Hattest du damit gerechnet?
Ich rede gerne frisch von der Leber weg. Mit «Fake News» ist ein schöner Begriff aufgekommen. Journalisten können jeden Menschen gut oder schlecht darstellen. Manche Leute finden, ich sei ein wenig ein Fremdkörper in der Schweizer Szene, von meinem Denken oder meiner politischen Einstellung her. Man kann aus meinen Äusserungen einzelne Sachen herausnehmen, die ich so gar nicht gesagt habe. Ich habe es nicht gerne, wenn man probiert, aus mir einen Menschen zu machen, der ich nicht bin. Ich habe nichts gegen Minderheiten und bin auch ganz sicher kein Rassist – wie jeder weiss, der mich kennt. Ich bin mit Schwarzen, Ausländern, Schwulen, Lesben und anderen aufgewachsen und zähle viele zu meinem Bekanntenkreis. Doch diese Menschen sind aber auch nicht einfach alles Arme und Gute – es ist wie bei allen anderen auch: Überall gibt es gute und schlechte Menschen.