Foto: Mark Seliger
Er hat die Mechanismen des Showbusiness längst durchschaut: Lenny Kravitz! Denn auch der Look macht die Musik. Ende des Monats präsentiert er sein neues Album – und im Juli sich selbst – an zwei Festivals in der Schweiz.
Das hätte er sich nie träumen lassen, sagte Lenny Kravitz in seiner Dankesrede auf dem «Hollywood Walk of Fame», wo er am 12. März 2024 mit einem Stern geehrt und verewigt wurde. Auch erzählte er, wie er im Alter von elf Jahren mit seiner Mutter von New York nach Los Angeles zog.
Lenny Kravitz erinnerte sich an Zeiten, in denen er in einem Auto schlief, als Tellerwäscher und auf dem Fischmarkt arbeitete und sich mit zwölf Jahren seine erste Gitarre kaufte. Dann stand er damals genau hier an dieser Stelle, vor dem berühmten Capitol Records Building – als Strassenmusiker. Mutter Schauspielerin, Vater TV-Produzent: Lenny Kravitz wurde eigentlich ins Showbusiness hineingeboren. Dennoch musste er sich seinen Ruhm hart erarbeiten. Den ersten grossen Erfolg feierte er 1989 mit seinem Debütalbum «Let Love Rule». 1990 schrieb er zusammen mit Madonna den kontroversen Song «Justify My Love». Eine angebliche Affäre mit der Pop-Queen wurde bis heute weder bestätigt noch dementiert.
Endgültig in die erste Liga aufgestiegen ist er im Jahr darauf mit dem Album «Mama Said» und dem Song «It Ain't Over Till It's Over», der bis heute aus keiner Wohlfühl-Playlist wegzudenken ist. Fortan ging es Schlag auf Schlag: 1993 ein MTV Video Music Award, 1994 ein Brit Award, von 1998 bis 2001 jedes Jahr einen Grammy – und viele Preise mehr. Aber auch als Schauspieler kam der Musiker zu Ruhm und Ehre, mit Rollen in «Zoolander» (2001), «The Hunger Games» und zuletzt mit Jennifer Lopez in «Shotgun Wedding». Dass Lenny Kravitz ein grosses musikalisches Talent hat, steht ausser Frage – die meisten Instrumente auf seinen Alben spielt er selbst. Aber er hat auch erkannt, dass nicht nur das Akustische zählt, sondern auch, wie sich ein Star optisch präsentiert.
Lennys Tochter Zoë brachte es in ihrer Laudatio zu Ehren ihres Vaters auf den Punkt: «Ich habe viel gesehen. Ich habe deine Authentizität gesehen. Ich habe gesehen, wie du dich um deine Lieben kümmerst. Und ich habe deine unglaubliche Hingabe an die Kunst gesehen. Aber am meisten habe ich durch deine Hemden gesehen.» Sie verriet, dass ihr Vater davon überzeugt war, dass ein Hemd, das keine Brustwarzen zeige, kein echtes Hemd sei. Zoë setzte noch einen drauf: «Die Beziehung, die mein Vater zu seinen Netzhemden hat, ist wahrscheinlich die längste, die er je hatte.» Böse Zungen behaupten gar, Lenny habe bei den Vorbereitungen zu seinem neuen Album mehr Zeit im Fitness- als im Tonstudio verbracht. Das Ergebnis der vielen Crunches und Sit-ups – ein stattliches Sixpack – präsentiert Lenny Kravitz im Video zu seinem neuen Song «TK421». Und auch die komplette Rückseite seines Adonis-Körpers zeigt er hier in voller Pracht. Narzisstische Selbstdarstellung oder doch Ironie? Fest steht: Lenny Kravitz weiss, wie man im Musikbusiness noch viel Geld verdienen kann. Er ist Werbeträger für Ray-Ban, Yves Saint Laurent und die Schweizer Edel-Uhrenmarke Jaeger-LeCoultre. Als Multitalent ist er auch als Designer tätig. Und trotzdem bleibt viel Zeit für die Musik – am 24. Mai 2024 erscheint mit «Blue Electric Light» sein zwölftes Studioalbum.
Zwei Tage später feiert Lenny seinen 60. Geburtstag. Danach lässt er sich auf der Bühne feiern: am 15. Juli 2024 auf der Piazza Grande in Locarno und am 16. Juli auf der grossen Seebühne in Montreux.