Joan & The Sailors machen keine Kreuzfahrt in sonnige Gefilde, sondern segeln in unruhigen Gewässern. Auf ihrem Debutalbum „Mermaid“ (Little Jig/Irascible) sind zwölf Songs vertreten, die einen Querschnitt durch das ganze Schaffen der Band vermitteln und deren grösster gemeinsamer Nenner wohl die stets mitschwingende Melancholie ist. Mit dem Opener „Silly Loving Lovesong For The Humble Gentleman“ taucht man gleich nach wenigen Sekunden in ihren eigenen Klangkosmos ein. Auf den Gesang folgt ein dezent verspieltes Schlagzeug, gefolgt vom elektrisierenden Zusammenspiel der Gitarren und einer pulsierenden Bassline, die Rhythmus und Melodie verbindet. Die musikalische Reise endet im epischen „Mermaid“, das die ruhige Seite von Joan & The Sailors aufzeigt. Ein Song der die Hörerinnen und Hörer auf eine intime, zauberhafte Reise mitnimmt, die im Refrain ihren emotionalen Höhepunkt erreicht, wenn Gesang und Instrumente ineinander verschmelzen. Die Assoziation mit Wasser ist im Bandnamen, im Albumtitel und nicht zuletzt auch im Resultat des musikalischen Outputs zu finden: Episch wie der Blick auf das offene Meer, ungezähmt wie ein wilder Fluss und erhaben wie ein glasklarer Bergsee.
Am Anfang stand nicht eine Band, sondern eine junge Dame, die mit viel musikalischem Talent gesegnet eine geheimnisvolle Aura erschuf. Joan Seiler fand schon früh ihre eigene musikalische Handschrift, die aus eigenständigem Gitarrenspiel und einer expressiven, vielseitigen Stimme bestand. Kunst und Können verband Joan zu einem Klanguniversum, das weiter wachsen wollte. Sie baute allmählich eine Band aus Gleichgesinnten um sich. Seit Anfang 2010 sind Joan & The Sailors, wie sie in heutiger Zusammensetzung bestehen, komplett.
Joan & The Sailors erschaffen einen Sound, den man in dieser Form selten gehört hat. Die Stimme von Joan Seiler ragt in ihrer Ausdrucksstärke und Einzigartigkeit aus dem Gros einheimischer Frauenstimmen. Ihre Phrasierung passt sich jedem Ton an, sie schwingt mit, um im nächsten Moment wieder auszubrechen. Diese Dramaturgie des Gesangs ist in bester Folk-Manier und lässt die Hörerinnen und Hörer in den Song eintauchen. Währenddessen kreiert die Band einen Klangteppich, der Elemente aus Postrock, Gothic-Folk und Trip Hop umfasst. Dieser Stil-Mix lebt von der Versiertheit der Musiker, dem breiten Instrumentarium und dem eleganten Umgang zwischen laut und leise. Bei aller Melancholie und allem Schwermut schwingt aber immer auch eine Leichtigkeit mit, die aus dem Können entsteht, ähnlich der Magie von Portishead.
(Text: Stefan Zihlmann)
Quelle:
joanandthesailors.com