„Behind every great man there´s a great woman.“ Jüngstes lebendes Beispiel dieser englischen Redewendung ist Kevin Costner. Seine Frau, das deutsche Model Christine Baumgartner, brachte nach jahrelangem Zureden den Hollywood-Star dazu, die Leinwand mit der Konzertbühne zu tauschen. Vor 14 Jahren lernte der Schauspieler die Taschendesignerin aus Hamburg kennen. Nach Costners Trennung vom Supermodel Elle McPherson trafen die beiden sich 1998 wieder und heirateten 2004. Kevin Costners musikalische Leidenschaft reicht allerdings weiter zurück. Als Kind hatte der Frauenschwarm Klavierunterricht und sang im Kirchenchor der Baptistengemeinde in Lynwood, Kalifornien, wo er aufwuchs. In den 1980ern begann der Blond-blauäugige eine semi-professionelle Musiker-Karriere. Kurioses Relikt davon: Zu Beginn der 1990er hatte Costner mit seiner Band Roving Boy eine #1-Single in Japan: "Simple Truth", aus einem gleichnamigen Album, heute vergriffen und gesuchtes Sammlerobjekt. Denn nachdem 1987 Costners Schauspieler-Karriere mit dem Film „The Untouchables“ abhob, fand der dreifache Oscar-Preisträger immer weniger Zeit für die Musik. Bis seine heutige Frau ihm schließlich sagte: „Ich glaube, die Leute kennen Dich nicht, Kevin. Sie kennen Dich aus Deinen Filmen. Aber wenn ich Dir dabei zusehe, wie Du Musik machst, dann sehe ich die Person, die Du eigentlich bist.“ Und so trommelte der Wolftänzer seine Band von damals wieder zusammen, darunter Gitarrist John Coinman, der mit John Densmore von den Doors oder mit James Intveld gearbeitet hat.
Kevin Costner ist also nicht mehr "Robin Hood", auch nicht Whitney Houstons „Bodyguard“. Er lebt sein geborenes Talent des Singer-Songwriters und Gitarristen aus. Sein "wirkliches" bei Universal Nashville veröffentlichtes Debütalbum "Untold Truths", eingespielt mit seiner Band Modern West, besteht aus zwölf Originalsongs, produziert und größtenteils geschrieben von Coinman und dem Bandkollegen Teddy Morgan.
Doch obwohl die US-Medien es in die Country-Schublade stecken, knüpft Costner dort mehr an den US-amerikanischen Rootsrock der späten 1980er an – Bruce Springsteen, Tom Petty und John Mellencamp. „Ich hatte nie beschlossen, ein Country-Album zu machen. Die Leute haben mich da etwas willkürlich verortet“, sagte Costner im Januar 2009 dem US-Magazin Country Weekly. „Meine Familie stammt aus Oklahoma und die Familie von John Coinman kommt aus New Mexico. Von daher sind unsere Songs wahrscheinlich sehr „ländlich“, folkig. Sie zeigen, woher wir kommen, aber ich selbst würde sie nicht als Country bezeichnen.“
Der 80er-Rootsrock-Sound sei das musikalische Erbe von Costner und Konsorten, weit mehr als moderner Country, bestätigt dies der All Music Guide in seiner Rezension von „Untold Truths“. Eingängige Refrains und Hooks, die man sofort mitsingen kann. Grundsolide Arrangements, metaphorische Texte von romantischem Mid-West-Charme. Freiheit, Liebe und Hoffnung, erfrischende Unschuld zeichnen die Songs aus. So viel unerschütterliche Ehrlichkeit erwartet man nicht zwingend von einem Hollywood-Star. „Costner ist hier der Typ von nebenan. Modern West klingt wie die Band, die Donnerstags in der Bar um die Ecke spielte, als „Dances With Wolves“ im Kino lief, in Bars, wie es sie heute noch in vielen Teilen der USA gibt“, schreibt Stephen Erlewine im All Music Guide. In "Down In Nogales", einer Romanze an der mexikanischen Grenze, kann man die Luft Arizonas regelrecht riechen. Nicht zu vergessen: Costners Faible für Autos, Züge und Motorräder. Die Symbole der Freiheit, des Unterwegs-Seins besingt er mit treibendem Amerciana-Rock auf "90 Miles An Hour" oder auf "Backyard", einer Hommage an alte Pontiacs, Chevrolets und Fords; an die NASCAR Auto-Rennen, für die Costner sich so begeistert. Das Video zu „Backyard“ drehte er vor Ort, auf einer NASCAR-Piste in Florida.
Wie es sich für ihn anfühle, live vor einem Publikum zu singen, anstatt auf einem Filmset in die Kamera zu schauen? Costner liebt es, sagte er Country Weekly. Das Gefühl, eine echte Bühne zu erklimmen und zu ahnen, dass gleich etwas Großartiges passiert. Die Gewissheit, sein Publikum zwei Stunden bei der Stange zu halten. Der direkte Austausch mit den Fans, die 20 Jahre lang in seine Filme gegangen sind. Menschen, die ihm zurufen, dass einer seiner Filme ihr Leben verändert hat. Nicht nur „Der mit dem Wolf tanzt“. „Manche kommen und sagen, sie lieben immer noch die „Untouchables“. „JFK“, „Robin Hood“, „Wyatt Earp“. Oder „Field Of Dreams“ (1989). „Das war ein Film von dem wir nicht viel erwarteten“, so Costner. „Aber wenn dein Leben daraus besteht, Geschichten zu erzählen, egal ob mit Filmen oder mit Musik, dann musst du etwas riskieren. Wenn man als Schauspieler mit einer bestimmten Rolle Erfolg hat, dann versucht die Filmindustrie, einen dazu zu bringen, denselben Film immer wieder neu zu machen. Ich bin froh, dass ich immer wieder aus dem Schema ausgebrochen bin.“ Mit dem Spartenwechsel in die Musik geht Costner diesen Weg konsequent weiter. Seine Fans danken es ihm. Der USRadio- Moderator Scott Lindy bringt die Begeisterung für den 53jährigen so auf den Punkt: "Er sucht als Musiker keinen Ruhm. Warum sollte er? Er folgt einer Passion." Und was Scarlett Johansson und Johnny Depp, Keanu Reeves, Billy Bob Thornton und Bruce Willis können, kann Costner schon lange.
Gerade ist der Film „Swing Vote“ mit Costner auf DVD erschienen. Im bereits abgedrehten Horror-Thriller „The New Daughter“ von Luis Berdejo, der 2009 ins Kino kam spielt er einen allein erziehenden Vater. Costner & Modern West waren zwischen Januar und April 2009 in den USA auf Tour.