Die
portugiesische Fußballnationalmannschaft der Männer (portugiesisch
Seleção Portuguesa de Futebol) ist eine Auswahl von portugiesischen Fußballspielern, die den portugiesischen Fußballverband (Federação Portuguesa de Futebol) auf internationaler Ebene bei Freundschaftsspielen und internationalen Turnieren repräsentiert.
Im Gegensatz zum Vereinsfußball und den Junioren konnte die A-Mannschaft bisher keinen Titel bei einer Europa- oder Weltmeisterschaft gewinnen. Die größten Erfolge sind ein vierter Platz bei der Weltmeisterschaft 2006, ein dritter Platz bei der Weltmeisterschaft 1966 und ein zweiter Platz bei der Europameisterschaft 2004 im eigenen Land.
Geschichte
1914–1928: Frühe Jahre
Der portugiesische Fußballdachverband wurde 1914 als União Portuguesa de Futebol gegründet. Ziel war es nationale Turniere zu organisieren, da damals nur regionale Meisterschaften stattfanden, und eine Nationalmannschaft zu erschaffen, um gegen andere Nationen anzutreten. Aufgrund des Ersten Weltkrieges fand das erste Spiel der portugiesischen Nationalmannschaft erst sieben Jahre später, am 18. Dezember 1921, gegen Spanien im O'Donnell Stadion in Madrid statt. Das Spiel gewannen die Spanier mit 3:1. Für Spanien war es bereits das siebte Länderspiel. Die portugiesische Mannschaft bestand aus Spielern von fünf verschiedenen Mannschaften (Internacional, Casa Pia AC, Benfica Lissabon, Sporting Lissabon, FC Porto). Mit vier Spielern (António Pinho, Cândido de Oliveira, J. Maria Gralha und António Augusto Lopes) stellte Casa Pia die meisten Spieler bereit. Benfica war mit drei (Vítor Gonçalves, Ribeiro dos Reis und Alberto Augusto), Sporting mit zwei (Jorge Vieira und João Francisco) und Internacional (Carlos Guimarães) und der FC Porto (Artur Augusto) mit jeweils einem Spieler vertreten. Die Spieler wurden von einem Komitee nominiert, das aus 11 Personen bestand. Sie waren für die Aufstellung der ersten drei Länderspiele verantwortlich.
Portugals erstes Spiel gegen Spanien, am 18. Dezember 1921 in Madrid.
Der Spielbericht des ersten offiziellen Spiels der portugiesischen Nationalmannschaft: Spanien – Portugal 3:1 (2:0).
Aufstellung von Spanien: Ricardo Zamora – Pololo, Mariano Arrate Kapitän der Mannschaft, Balbino – Manuel Meana, Desiderio Fajardo – Pagaza, Eduardo Arbide, Félix Sesúmaga, Paulino Alcántara, Luis Olaso
Aufstellung von Portugal: Carlos Guimarães – António Pinho, Jorge Vieira, João Francisco – Vítor Gonçalves, Cândido de Oliveira Kapitän der Mannschaft – J. Maria Gralha, António Augusto Lopes, Ribeiro dos Reis, Artur Augusto, Alberto Augusto
Schiedsrichter: M. Barette (Belgien)
Tore: 1:0 Meana (6.), 2:0 Alcántara (10.), 3:0 Alcántara (66.), 3:1 Alberto Augusto (Handelfmeter)
Zuschauer: 14.000
Auch die nächsten drei Länderspiele fanden wieder gegen Spanien statt und allesamt gingen verloren. Erst im fünften Spiel, im Jahr 1925, konnten die Portugiesen mit einem 1:0 gegen Italien den ersten Sieg einfahren. Im sechsten Spiel erreichte Portugal das erste Unentschieden gegen die Tschechoslowakei. 1928 ging Portugal im sechsten Vergleich mit den Spaniern zum ersten Mal nicht als Verlierer vom Platz. Im Lissaboner Estádio do Lumiar erkämpften sich die Lusitaner ein 2:2. In der 25. Minute konnte Portugal durch ein Elfmetertor von José Manuel Martins in Führung gehen, allerdings konnten die Spanier durch Domingo Zaldua fünf Minuten später, ebenfalls per Elfmeter, ausgleichen. In der 58. Minute drehte Spanien, durch Seve Goiburu, das Spiel, ehe kurz vor Spielende die Portugiesen in der 89. Minute durch ein Eigentor von Pedro Vallana ausgleichen konnten.
1928–1966: Turnierdebüt und verpasste Endrunden
Da der portugiesische Fußballverband erst 1923 der FIFA beitrat, verpasste Portugal die ersten drei olympischen Fußballturniere. Bei den Olympischen Spielen 1924 in Paris sollte die Nationalmannschaft in der Vorrunde auf Schweden, dem späteren Bronzemedaillengewinner, treffen. Das Spiel wurde jedoch von Portugal abgesagt, sodass sie sich weiterhin nur in Freundschaftsspielen mit anderen Nationen messen konnten. Vier Jahre später, bei der Olympiade von Amsterdam gaben die Portugiesen ihr Turnierdebüt. In der Vorrunde traf Portugal auf Chile. Nachdem Chile nach 30 Minuten mit 2:0 in Führung lag, schafften es die Portugiesen noch vor dem Halbzeitpfiff mit zwei Toren in zwei Minuten (Vítor Silva 38., Pepe Soares 40.) das Spiel auszugleichen. In der zweiten Halbzeit erzielte Portugal zwei weitere Tore und gewann das Spiel mit 4:2. Der nächste Gegner hieß Jugoslawien. Zwar konnte Portugal in Führung gehen, doch konnten die Jugoslawen das Spiel ausgleichen. Erst kurz vor Spielende, erzielte Portugal in der 90. Minute, durch Augusto Silva, den Siegtreffer und qualifizierte sich für das Viertelfinale. Dort musste Portugal sich Ägypten mit 1:2 geschlagen geben.
An der ersten Fußball-Weltmeisterschaft 1930 nahm die portugiesische Nationalmannschaft nicht teil, da die Teilnehmer zur Endrunde eingeladen wurden. Bei der Qualifikation zur zweiten Weltmeisterschaft 1934 scheiterten die Portugiesen an Spanien. Nach einer 9:0-Niederlage in Madrid verlor Portugal auch das Rückspiel mit 1:2. Vier Jahre später mussten die Lusitaner gegen die Schweiz antreten. Nachdem beide Mannschaften sich auf eine einzige Partie auf neutralem Boden geeinigt hatten, fand das Spiel in Mailand statt. Die Schweizer gewannen das Spiel mit 2:1.
Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges fiel die Weltmeisterschaft 1942 aus und die Portugiesen absolvierten in der Zeit nur sieben Freundschaftsspiele. Die wenige Spielpraxis wirkte sich auch auf die Ergebnisse des Nationalteams aus, wie zum Beispiel in der bis dato höchsten Niederlage der Portugiesen, ein 0:10 gegen England aus dem Jahr 1947.
In der Qualifikation zur Weltmeisterschaft 1950 in der ehemaligen Kolonie Brasilien scheiterte Portugal wieder am iberischen Nachbarn Spanien. Das Hinspiel verlor Portugal mit 1:5 in Madrid und das Rückspiel endete nur mit einem 2:2-Unentschieden. Später wurde Portugal der Startplatz der Türkei angeboten, der jedoch abgelehnt wurde. 1954 trat der portugiesische Verband der in Basel neu gegründeten UEFA bei. Auch die nächsten zwei Weltmeisterschaften verpassten die Portugiesen. 1954 wurden sie von Österreich mit einer 0:9-Niederlage und einem torlosen Remis deklassiert. Bei der Qualifikation zur WM 1958 wurde Portugal in eine Gruppe mit Italien und Nordirland zugelost. Das erste Spiel gegen die Nordiren endete mit 1:1, ehe sie in Belfast mit 0:3 verloren. Gegen Italien gewann Portugal das Hinspiel mit 3:0, verlor aber das Rückspiel mit demselben Ergebnis und wurde so Gruppenletzter.
Die von der UEFA gegründete Fußball-Europameisterschaft fand zum ersten Mal 1960 statt. In der Qualifikation zur Endrunde, die im K.-o.-Modus ausgetragen wurde, traf die Seleção im Achtelfinale auf die Nationalmannschaft der DDR. Am 21. Juni 1959 gewann Portugal das Hinspiel mit 2:0, durch Tore von Matateu und Mário Coluna im Walter-Ulbricht-Stadion zu Berlin. Eine Woche später setzen sich die Portugiesen im Estádio das Antas in Porto mit 3:2 auch im Rückspiel gegen die DDR durch. Coluna erzielte dabei zwei Tore. Im Viertelfinale scheiterte Portugal jedoch am späteren Vizeeuropameister Jugoslawien. Zwar wurde das Hinspiel mit 2:1 gewonnen, allerdings ging das Rückspiel mit 1:5 verloren, sodass sie die Endrunde verpassten.
In der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 1962 in Chile traf Portugal auf England und Luxemburg. In dieser 3er-Gruppe erreichte nur der Erstplatzierte die Endrunde. Nach einem 6:0-Sieg gegen Luxemburg und einem 1:1-Unentschieden gegen England in Lissabon gingen die beiden Auswärtsspiele verloren, wodurch die Portugiesen nur Gruppenzweiter wurden.
Auch die zweite Europameisterschaft 1964 in Spanien verpasste die Nationalmannschaft. Dieses Mal allerdings schon in der Vorrunde gegen Bulgarien. Hin- und Rückspiel gewannen beide Mannschaften jeweils 3:1, weswegen ein Entscheidungsspiel notwendig wurde. Das Spiel fand in der italienischen Hauptstadt Rom statt und die Bulgaren gewannen mit 1:0. Zwar verpassten die Portugiesen die Europameisterschaft, nahmen dafür Ende Mai 1964 an der Taça das Nações (dt.: Nationen-Pokal) teil, einem Einladungsturnier im Liga-System zum 50. Jubiläum des Brasilianischen Fußballverbandes. Neben Portugal und Brasilien wurden Argentinien und England eingeladen. Das erste Spiel gegen Argentinien verlor Portugal mit 2:0. Das zweite Spiel gegen England, die auch die EM-Endrunde verpassten, endete mit 1:1-Unentschieden mit Toren von Roger Hunt und Fernando Peres. Das letzte Spiel gegen Gastgeber Brasilien verloren die Lusitaner mit 1:4. Jairzinho erzielte einen Doppelpack, Pelé und Gérson jeweils ein Tor. Den portugiesischen Ehrentreffer bescherte Mário Coluna. Portugal wurde gemeinsam mit England Gruppendritter.
1966 bis heute
Den bislang größten Erfolg feierte man bei der Fußball-WM 1966 in England, als das Team Dritter und Eusébio mit 9 Treffern Torschützenkönig wurde. Auch der Gewinn der Vizeeuropameisterschaft 2004 war ein großer Erfolg. Des Weiteren erreichte Portugal bei der Fußball-Europameisterschaft 1984 in Frankreich sowie bei der Fußball-Europameisterschaft 2000 in Belgien und den Niederlanden jeweils das Halbfinale, schied dann aber gegen den späteren Europameister Frankreich jeweils in der Verlängerung aus.
Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland wurde Portugal Vierter (die zweitbeste Platzierung nach 1966). Nach diesem Turnier trat mit Luis Figo der letzte Spieler der Goldenen Generation, die 1989 und 1991 Junioren-Fußballweltmeister wurde, zurück. Im Viertelfinale stellte Torwart Ricardo im Elfmeterschießen gegen England einen Rekord auf. Als erster Torhüter überhaupt hielt er drei Elfmeter bei einer WM.
Bei der Fußball-Europameisterschaft 2008 überzeugte Portugal in der Vorrunde und galt im Viertelfinale gegen Deutschland als Favorit, verlor dann aber mit 2:3.
Bei der Fußball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine erreichte Portugal etwas überraschend das Halbfinale, nachdem sie sich in der „Todesgruppe“ um Deutschland, die Niederlande und Dänemark als Gruppenzweiter durchgesetzt hatten. Im Halbfinale unterlag die Nationalmannschaft trotz überzeugender Leistung dem Titelverteidiger Spanien im Elfmeterschießen.
Quelle und Autorenliste:
Wikipedia /
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