SIRO-A ist eine hochenergetische, multimediale und interaktive Liveshow aus Japan, die diesen Sommer zum ersten Mal in Europa auf Tour geht und vom 11. Bis 15. September 2012 mit insgesamt 5 Shows im Komplex 475 in Zürich zu sehen ist. SIRO-A verbindet elektronische Musik vom DJ-Pult, visuelle Effekte – oder treffender gesagt: Illusionen – und perfekt choreographierte Bewegungsabläufe so miteinander, dass ein völlig neues Live-Erlebnis entsteht.
Aber was passiert nun konkret auf der Bühne? Flankiert von zwei DJs an entsprechenden Pult – weiss auf weiss – und einer riesigen Projektionswand im Bühnenhintergrund agieren zwischen ein und drei der SIRO-A-Künstler synchron zu Beats und Projektionen. Dabei „fangen“ die Künstler u.a. mit weissen quadratischen Tafel- Handschuhen (eine bessere Umschreibung scheint an dieser Stelle unmöglich und einen richtigen Namen gibt es für die Dinger noch nicht) Projektionen milimetergenau aus der Luft ein, formen immer wieder neue Muster und Einheiten daraus, lassen sie über die Bühne tanzen oder fliegen.
Während man noch darüber nachdenkt, wie das technisch funktioniert, ist man schon mittendrin in der nächsten Nummer, in der die Köpfe der drei Akteure von überdimensionalen weißen Zylindern verdeckt sind, die auf ihren Schultern ruhen und als Projektionsflächen – u.a. für einen „Lebenslauf“ im Schnelldurchlauf – dienen.
In einer anderen Szene, in der die DJ-Pults ruhen, tritt einer der Künstler vor den vorgezogenen Bühnenvorhang, schlägt einen nur projizierten Ball präzise in einem gleichbleibenden Rhythmus aus dem Blickfeld der Zuschauer
und erzeugt so einen elektronischen Bass-Sound. Nach einigen Wiederholungen tritt er zurück, um seinem Schatten(!) an exakt der gleichen Position diese Aufgabe zu überlassen. Das wiederholt sich an verschiedenen Stellen der Bühne mit immer neuen Ballprojektionen, unterschiedlichen Bewegungen und Sounds und nach und
nach formt sich aus Lagen einzelner Loops ein vollständiger Beat, bevor am Ende alle Schatten wieder mit dem realen Künstler verschmelzen. Mit Hilfe des Publikums wird auch live gesampelt: Aufnahmen und Geräusche eines Künstlers und der Besucher werden dabei als Klang- und optische Schnipsel in Echtzeit digitalisiert und durch den Sequenzer gejagt, bis sich daraus am Ende ein komplettes Stück geformt hat. In einer weiteren Nummer verwandeln sich die Künstler dank LED-bestückter Anzüge in eine Art „Licht-Marionetten“, die durch die Bewegung ihrer Träger, einzeln ansteuerbarer Dioden, Spiegelungen, Farbwechseln und Projektionen immer neue Formen und Effekte bilden.
Wer bei allen Beats, allem High-Speed und technischem Aufwand jetzt aber eine am Ende doch monotone Show befürchtet, die sich zudem primär nur an die Jünger der Techno-Gemeinde richtet, liegt falsch. SIRO-A gelingt es, immer wieder zu überraschen.
Viele Szenen wirken trotz eines perfekten Timings verspielt und sind mit einem frischen, unangestrengten Humor durchsetzt. Die kontinuierlich pumpenden Beats variieren so abwechslungsreich und verbinden sich mit den unterschiedlichen visuellen Effekten und physischen Leistungen der Akteure so, dass sie die Show zwar
dynamisch mit hoher Taktung vorantreiben, sich aber auch musikalisch zartbesaitete Gemüter auf den pulsierenden Rhythmus und das Tempo der Show einlassen können.