Genau das tust du ja.
Absolut. Als ich klein war, hab ich viel Musik gehört und habe mich durch die Songtexte weniger alleine und vor allem verstanden gefühlt. Wenn ich Lyrics schreibe, versuche ich so ehrlich wie möglich zu sein. Ich versuche Gedanken in Worte umzuwandeln, wie es bisher noch niemand getan hat. Das ist die grösste Herausforderung für mich. Wenn ich Liebeslieder schreibe, will ich, dass es etwas ist, das noch nicht gesagt wurde und nicht nach einem Klischee klingt. Ich frage mich jeweils: «Wie kann ich einen Song schreiben, der so klingt, wie ich liebe?»
Bestimmt ist es nicht immer einfach, die richtigen Worte zu finden.
Das stimmt. Es ist sehr schwer, die jeweilige Gefühlslage treffend auszudrücken. Ich versuche jeweils, Kitsch von durchdachten Aussagen abzugrenzen.
Schreibst du deine Songs eher, wenn du in einem neutralen oder einem emotional aufgeladenen Zustand bist?
Kommt drauf an. In einer labilen Gefühlslage kann ich meinen Emotionen irgendwie freien Lauf lassen, weil ich das Bedürfnis habe, es rauszulassen. Dadurch werden die Lieder meistens auch leidenschaftlicher. Als ich zum Beispiel «Hurts» geschrieben habe, war ich sehr wütend und musste diese Wut herauslassen. Wenn man jedoch eine emotionale Balance hat, kann man einen Schritt zurückgehen und die Emotionen von einer anderen Perspektive betrachten.
So kann man sich überlegen, wen man damit ansprechen will und auf welche Art und Weise.
Als du sieben Jahre alt warst, hast du den Song «Yesterday Is Tomorrow» geschrieben. Wirst du dieses Lied jemals live singen?
Ich kann mich nicht mehr an alle Akkorde erinnern. Ich würde gerne mein Buch wieder finden und den Song neu schreiben. Vielleicht werde ich ihn irgendwann auf einer intimen Tour singen.
Oder vielleicht bei Art On Ice?
Ja. Das wäre cool!
«Als Nächstes will ich lernen, wie man auf dem Eis rückwärts läuft.»
Kannst du beim Musikhören von anderen Künstlern relaxen?
Manchmal schon. Aber es ist sehr anstrengend. Wenn ich Songtexte höre, denke ich mir oft, dass ich gewisse Dinge anders gemacht hätte. Das nimmt das Vergnügen vom Musikhören weg. Manchmal wünsche ich mir, ich könnte wieder als ein Fan Songs hören und den Prozess der Musikproduktion vergessen.
Zu Beginn deiner Karriere hast du nur Songs geschrieben. Was hat dich dazu bewogen, doch selber zu singen und aufzutreten?
Ich habe schon seit meiner Kindheit gerne gesungen. Wenn man einen Song schreibt, weiss man manchmal nur selber, wie er aufgeführt werden soll. Manche Songs wie zum Beispiel «Clown» wollte ich unbedingt selber singen, da es echt und authentisch ist. Egal, ob erfolgreich oder nicht.
Du hast Sambia, das Heimatland deines Vaters, besucht. Wie war das für dich?
Es war unglaublich und hat mir geholfen, mich selber zu verstehen. Es war schön, in Schottland aufzuwachsen. Zu dieser einen Hälfte von mir hatte ich bis dahin keinen Bezug zu Sambia. Natürlich hatte ich immer meinen Vater in meiner Nähe, ich habe aber noch nie meine Grossmutter, die Mutter meines Vaters oder meine Cousins kennengelernt. Dorthin zu gehen war wie eine Heimkehr für mich. Ich habe mich plötzlich komplett gefühlt. Dort sind viele Musiker, und das hat für mich absolut Sinn ergeben. Nur schon in Afrika zu sein – ich war noch nie an solch einem Ort. Es war sehr spirituell; ein ergreifendes Erlebnis.
Bereust du es, dass du dein Medizinstudium abgebrochen hast?
Nein. Manchmal vermisse ich aber das intensive Lernen und die Herausforderung an mich selber. Meine Passion für die Medizin hat nie den Level meiner Passion für die Musik erreicht. Ich bin sehr glücklich, dass ich die Möglichkeit habe, Musik zu machen.
Könntest du dich selber verarzten / diagnostizieren?
Das wäre cool! Ich wünschte, ich würde mich an mehr erinnern. Ich bewundere meine Freunde, die jetzt Ärzte sind, für die harte Arbeit, die sie in ihren Beruf gesteckt haben. Ihre Passion ist inspirierend.
Bist du jeweils nervös vor deinen Auftritten?
Ab und zu. Ich will, dass die Auftritte super sind, dass meine Stimme perfekt funktioniert und dass alles fantastisch abläuft. Darum bin ich manchmal etwas nervös – aber nicht so wie früher. Ich bin viel entspannter.