Lars Eidinger verwandelt Bertolt Brechts «Hauspostille» in ein wildes Bühnenritual und fasziniert das Publikum.
Wenn Lars Eidinger Brechts «Hauspostille» liest und singt, kippt Literatur in ein radikales Live-Erlebnis. Der Berliner Schauspieler, Fotograf und DJ bringt die frühe Gedichtsammlung als Mischung aus Predigt, Konzert und Performance auf die Bühne – begleitet vom Musiker Hans Jörn Brandenburg an Klavier, Cembalo, Harmonium und Keyboard.
Bertolt Brecht wurde 1898 in Augsburg geboren und entwickelte sich schon früh zum eigenwilligen Autor zwischen Poesie, Theater und politischem Denken. 1933 floh er vor den Nationalsozialisten und reiste auf dem Weg ins Exil auch über Zürich, das für kurze Zeit zu einem wichtigen Durchgangsort wurde. Die «Hauspostille» erschien erstmals 1927 und gilt als frühes Schlüsselwerk: ein hymnischer, oft bitterer Blick auf Moral, Macht und menschliche Schwächen.
Eidinger, seit Jahren prägende Figur der Berliner Schaubühne, wurde mit Rollen wie «Hamlet», «Richard III.» oder dem «Tatort»-Antagonisten Kai Korthals weit über Deutschland hinaus bekannt. Seine Lust am Grenzgang trifft in der «Hauspostille» auf Brechts frühe Poesie über Gewalt, Gier und menschliche Abgründe. Die Texte wirken roh, ungeschönt, oft verstörend – und passen damit ideal zu Eidingers direkter Bühnenhandschrift.
Auf der Bühne wechselt Eidinger zwischen Flüstern, Sprechgesang und eruptivem Ausbruch. Brandenburg begleitet ihn mit einer Klanglandschaft, die von Choral über Chanson bis zu harschen Akkorden reicht. So entsteht ein Abend, an dem Gedichte zu Songs werden, Predigten zu Klangexperimenten und Brechts Welt in ein intensives Jetzt kippt. Ein seltenes Format, das Eidingers radikale Art und Brechts frühe Wucht verbindet.