#10 | David Garrett | Soltis Studiocast
Musik

«Ich bin immer noch wild!»: Interview mit David Garrett – am 5. 4. 2025 kommt er nach Zürich

23.09.2024 von Christoph Soltmannowski

Auf diesen Geiger kann man zählen: David Garrett (44) kommt wieder nach Zürich – im Rahmen seiner weltweiten Tour spielt der deutsche Star-Violinist am 5. April 2025 in Hallenstadion. Auf seinem letzten Schweizbesuch haben wir ihn zum Interview getroffen. Dabei sprach er über seine Jugend als «Wunderkind», seine Liebe zu legendären Geigen – aber auch über unrühmliche Episoden seiner New Yorker Jahre.

event.: David Garrett, dein Buch umfasst 368 Seiten – das war harte Arbeit?

Im Gegenteil, es war eher ein Magic Moment. Das ganze Buch entstand in einem schnellen Fluss. Vom ersten bis zum letzten Wort sprudelte alles aus mir raus. Es waren 600 Seiten, ich musste vieles weglassen.

Dennoch erfahren wir einiges! Du schreibst sehr offen.

So soll eine Biografie doch sein.

Du beichtest darin sogar, wie du in New York einen Geldbetrag von einer gefundenen Kreditkarte abgehoben hast.

Es war aus der Not. Ein Moment, in dem ich dringend finanzielle Hilfe brauchte. Es handelte sich um circa 600 Dollar.

Sagen wir doch einfach, der Kreditkartenfund war «göttliche Fügung»?

Das hast du schön gesagt! Und der oder die Betroffene kann sich immer noch melden und kriegt das Geld zurück. Leider weiss ich nicht, wer es war.

Um es kurz zu fassen: New York – das waren deine wilden Jahre?

(Lacht) Ich bin doch noch immer wild!

… und schwer verliebt?

Ja, ich bin seit einiger Zeit in festen Händen. Es ist schön, eine Beziehung zu haben, die super läuft. In der sich keiner in den Vordergrund drückt.

Dir ging es nicht immer gut. In deinem Buch schilderst du, wie hart es war, es so weit zu bringen.

Knallhart, ja!

Dein Vater hat dich zum Erfolg getrieben.

Wie bei so vielen anderen hochbegabten Musikern gab es auch bei mir jemanden im Hintergrund, der mich antrieb, jeden Tag mein Pensum an Arbeit zu verrichten. Der mir auch Disziplin am Instrument beigebracht hat. Das muss man lernen – es fliegt einem nicht zu! Es ist ein tagtäglicher Kampf, diese Disziplin auch zu erlernen. Mir war es wirklich wichtig, in diesem Buch auf den Mythos «Wunderkind» einzugehen. Was hinter den Kulissen passiert, kenne ich ja aus erster Hand. Wenn ein Siebenjähriger auf der Bühne etwas Unglaubliches macht, ist das kein Wunder, sondern sehr harte Arbeit. Das Publikum fühlt sich mit dem Prädikat «Wunderkind» aber wohler, als wenn man von einem «hart arbeitenden Kind» sprechen würde. Und das ist nicht nur bei der Musik, sondern auch beim Hochleistungssport. Wir wissen es – und verschliessen davor gern die Augen. Frage mich doch mal, ob ich das gut finde oder nicht?

Findest du das gut?

Ich weiss es nicht. Selbst ich, der es durchlebt hat, kann dir keine klare Antwort geben. Auch wenn wir Jahrhunderte zurückgehen: Es gäbe keinen Paganini, keinen Beethoven, keinen Mozart …

… und keinen David Garrett.

All diese Musiker sind von sehr jung an gefördert, aber auch ein Stück weit gedrillt worden – auf hohe Leistung.

Im Buch erzählst du auch, wie dein Vater deine Konzerte damals aufgenommen und dir auf der Rückfahrt im Auto vorgespielt hat.

Und dabei Kritik übte. Nach jedem Konzert. Erst die Standing Ovation, dann die Kritik im Auto. Das hätte vielleicht nicht sein müssen.

Wie reagierte dein Vater auf das Buch?

Sehr positiv. Ich habe viel Wert darauf gelegt, dass er es vor Veröffentlichung liest. Er ist heute mein grösster Fan.

Dein Buch ist auch eine Art Sachbuch – man erfährt viel über Musik und Geigen.

Für mich ist das die Materie, die in meinem Leben unglaublich viel Bedeutung hat. Das konnte ich nicht weglassen, es gehört alles zu mir.

Du hast auch heute deine Geige dabei – wie ich hörte, ist das eine 12 Millionen Franken teure Guarneri del Gesù.

Ich habe zu Hause eine sehr schöne Stradivari, die mir seit vielen Jahren eine treue Begleiterin ist – nach wie vor. Aber es war immer auch mein Traum, mal auf einer Guarneri del Gesù zu spielen. Seit längerer Zeit fasziniert mich ihr Klang. Mein Manager stand in stetem Kontakt mit dem wunderbaren Museum in Cremona und fragte immer wieder nach, ob wir sie als Leihgabe haben könnten. Irgendwann haben sie nachgegeben.

Ist die Tonfarbe der Guarneri del Gesù dramatischer als jene deiner Stradivari?

Irgendwas packt mich gerade mehr bei der del Gesù. Irgendwie habe ich mir durch dieses Buch ja auch einen Traum erfüllt. Es ist wie ein kleiner Neustart, endlich spreche ich auch in Interviews über das, was mich wirklich beschäftigt und interessiert. Und irgendwie passt da auch die Tonfarbe meiner «neuen» Geige dazu. Übrigens habe ich auch eine Website zu den Guarneri-Geigen eingerichtet: www.guarneridelgesu.com

Du schreibst, Geigen haben für dich ein Gesicht – das wäre was für «Wetten dass..?»

Unbedingt! Das würde ich gerne machen: eine Wette mit 700 oder 800 Stradivari-Geigen. Ich erkenne jede einzelne an ihrer Decke – und weiss auch die entsprechende Jahreszahl. Mein Management findet aber, das sei für das Publikum zu langweilig. Schade eigentlich, denn es würde sehr gut wiedergeben, womit ich mich wirklich beschäftige. Vielleicht klappt es irgendwann.

Aber auf alle Fälle sehen wir dich bald wieder auf der Bühne. Wir freuen uns auf das Konzert im Hallenstadion. Danke für dieses Gespräch!

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