Gregory Porter spielt am 19. November 2026 in The Hall Dübendorf sein einziges Konzert in der Deutschschweiz. Er bringt sein Sextett mit, zwei Grammys und eine Karriere, die erst mit 38 Jahren begann.
Wer Gregory Porter einmal live gehört hat, kennt den Moment. Der Saal wird still. Dann füllt dieser Bariton den Raum bis in die letzte Reihe. Der Zürcher Veranstalter AllBlues nennt ihn «zur Zeit den erfolgreichsten Jazzsänger überhaupt». Die Zahlen stützen das. Sein Album «Liquid Spirit» von 2013 gilt bis heute als meistgestreamtes Jazzalbum. Es brachte ihm 2014 den ersten Grammy. Der zweite folgte 2017 für «Take Me to the Alley».
Porters Weg zum Jazz war ein Umweg. Geboren 1971 in Sacramento, aufgewachsen in Bakersfield, Kalifornien. Die Mutter war Pfarrerin und schickte ihn in den Kirchenchor. Der Sohn wollte Football spielen. Ein Stipendium brachte ihn als Lineman an die San Diego State University. Eine Schulterverletzung beendete die Karriere, bevor sie begann.
Danach kochte er. 2004 zog Porter nach Brooklyn und stand im Restaurant seines Bruders Lloyd in der Küche. Abends sang er in Harlem, jede Woche im St. Nick's Pub. Aus dieser Residency wuchs seine Band. Das Debütalbum «Water» erschien 2010. Da war Porter 38.
Die Kangol-Mütze mit den Ohrenklappen trägt Porter bei jedem Auftritt. Er sagt: «Die Leute erkennen mich daran.» Musikalisch bleibt Porter im Jazz und holt sich dazu, was er die «Cousins des Jazz» nennt: Gospel, Soul, Blues. Seine Vorbilder heissen Nat King Cole, Bill Withers und Donny Hathaway. Mit dem britischen Duo Disclosure landete er den Clubhit «Holding On». 2025 trat er in der britischen «Masked Singer»-Show als «Dressed Crab» an und wurde Zweiter. Ein Jazzsänger im Krabbenkostüm, samstagabends auf ITV.
Nach Dübendorf bringt Porter seine Stammband: Tivon Pennicott am Saxofon, Chip Crawford an Piano und Fender Rhodes, Ondrej Pivec an der Orgel, Jahmal Nichols am Bass, Emanuel Harrold am Schlagzeug. Die Besetzung ist bewusst gebaut. Porter will einen Saxofonisten, der härter spielt als er singt. Der Kontrast zeige, sagt er, dass diese Stimmen am selben Ort aufgewachsen sind: Bebop, spiritueller Jazz, Gospel.
In den USA tourt Porter 2026 unter dem Titel «Love Is King». Das Programm holt Songs aus allen Alben und ergänzt sie mit Standards zum Thema universelle Liebe, ein Gedanke, den ihm seine Mutter mitgab. Ein neues Album gibt es seit «Christmas Wish» (2023) nicht. Porter schreibt weiter selbst. Fremde Songs habe ihm die Plattenfirma nie geschickt, sagt er. Er liefert genug eigene.
Zur KI-Musik, die 2026 die Streamingdienste füllt, hat Porter eine Hoffnung: Sie schärfe den Wunsch nach handgemachter Musik. In The Hall lässt sich das am 19. November prüfen. Zuletzt stand er dort im Juni 2023.