Ja, möglicherweise!
Ich glaube, die Ehe ist entstanden, in der Zeit, als es noch keine Kühlschränke gab, als man sich noch zusammenrotten musste, als Geschlechtskrankheiten dominierten, und schlaue Menschen haben gewusst: Wenn jetzt nicht sofort immer nur ein Mann mit einer Frau, dann sterben wir aus. Das war der vollkommene Erhaltungstrieb. Aber jetzt brauchen wir die Ehe nicht mehr. Und dieses: Ich liebe dich bis ans Lebensende, das kann man doch gar nicht sagen.
Aber es gibt doch Ausnahmen. Manche schaffen das, bis ans Lebensende.
Ja, es gibt ja auch Albinohunde – die sind selten, aber es gibt sie.
Du bist mit dem Musiker Johannes Oerding liiert, ihr lebt aber nicht zusammen?
Genau.
Ist die Ehe kein Thema für euch?
Nee. Es ist für uns beide kein Thema. Ich gehe heute nicht mehr so weit wie früher, wo ich gesagt habe: Jeder in seiner eigenen Stadt. Heute sage ich: Gleiche Stadt ist gut, aber jeder in seiner eigenen Wohnung.
Im Song «Wie Du wohl wärst» überlegst du, wie es wohl gewesen wäre, ein Kind zu haben. Es klingt versöhnlich.
Ja, das war mir auch sehr wichtig. Ich finde, es hat nicht diesen Betroffenheits-Charme. Es ist auch keine Verbitterung drin. Ich habe nur ein Lied aus diesem Moment gemacht, den jede Frau in meinem Alter kennt – wo man sich zwischendurch mal denkt, obwohl klar ist, dass man jetzt keine Kinder mehr haben möchte, wie wärs wohl, wenn ich ein Kind hätte – wie sähe es aus, wäre es gross, klein, wäre es leise oder laut, hätte es blaue Augen? Aber
ich sage ja: Alles ist gut so, wie es ist. Ich habe mich einfach für die Karriere entschieden.
Planst du nach deiner Tour 2017 mal wieder ein plattdeutsches Album?
Lustig, dass du mich das fragst, Nina. Ich habe darüber tatsächlich schon nachgedacht. Aber vielleicht gehe ich doch erst mal zum Detoxen in die Ukraine.
INA MÜLLER
Fr 24.3.17, Club Hallenstadion Zürich
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