Musik

JORIS im Interview: «Ich schreinere mir gerade mein Bühnenbild»

14.02.2025 von Letizia

In der Öffentlichkeit würden JORIS wohl viele nicht erkennen – was ihm sogar ganz recht ist. Fragt man die Leute aber, ob sie sein Lied «Herz über Kopf» kennen, sieht die Antwort schon ganz anders aus.

Denn mit diesem Song gelang dem Künstler 2015 der Durchbruch. Seitdem hat sich viel getan und nach drei Jahren veröffentlicht JORIS nun sein neues Album «zu viel retro» und geht mit seiner Band auf Tour. 

Viele Künstler:innen schreiben ihre Lieder auf Englisch, um eine noch breitere Masse abzuholen. Deine Songs sind alle auf Deutsch. Warum?
JORIS: Ich habe eigentlich von klein auf immer auf Englisch geschrieben, da ich auch primär englische Musik gehört habe und die deutsche Sprache als sehr sperrig empfand. 

Dann habe ich meinen ersten Song auf Deutsch geschrieben, der hiess «im Schneckenhaus» und der wollte einfach so sein – auf Deutsch. Und als ich den Leuten den Song zeigte, habe ich festgestellt, dass sie sich total abgeholt gefühlt haben. Die eigene Sprache ermöglicht ein tieferes Verständnis und das bedeutet auch eine riesige Kraft. Seitdem schreibe ich auf Deutsch, auch wenn es viel herausfordernder ist. Denn bei deutscher Musik ist der Text immer im Vordergrund. Aber man kann viel präziser mit der Sprache umgehen, was eine Stärke ist. 

Dein viertes Album trägt den Titel «zu viel retro». Wieso genau dieser Titel? 
JORIS: Der ganze Prozess der Albumerstellung war für mich eine Rückbesinnung auf meine Stärken und auf das, was mir Sicherheit gibt. Denn von Aussen kam viel Unsicherheit dazu. 

Ich bediene mich auch an Sound, den ich aus dem Herzen fühle, beispielsweise aus den 00er oder 10er Jahren. Das ist natürlich retro. 

Dann habe ich einen Artikel gelesen über ein Abitreffen, wo einer auf die Frau trifft, in die er damals unglaublich verliebt war und sie auch in ihn. Aber sie haben es sich damals nie gesagt. Abschliessend stand im Artikel «So wäre das mit dem retro, zu viel macht das Herz schwer.». Als ich mit dem Album fertig war, fand ich, dass der Titel «zu viel retro» sehr gut auf alles passt. 

Hast du einen Lieblingssong vom neuen Album?
JORIS: Das ist Abend für Abend, wenn man Konzerte gibt, verschieden. 

«das leben ist…» war für mich aber ein Durchbruch-Song. Denn ich steckte in einem Loch und bin textlich nicht weitergekommen, was zu Selbstzweifeln geführt hat. Da dachte ich mir, vielleicht müsste man genau darüber schreiben. Denn es ist okay, dass das Leben nicht immer geil ist – aber trotzdem ist es geil. 

Falls es mit der Musik einmal nicht mehr laufen sollte – was für ein Tischler-Projekt können wir von dir erwarten? 
JORIS: Auch wenn es mit der Musik läuft, bin ich gerade dabei, mein Bühnenbild zu schreinern. Die Idee beim Bühnenbild ist, das Tonstudio mit auf die Bühne zu bringen. Das, was das Album ausmacht, ist das live Gespielte – und das können wir so 1:1 auf die Bühne bringen und die Leute dazu einladen, zu uns ins Studio zu kommen. 

JORIS live auf Tour erleben  

«zu viel retro» ist eine sehr energetische nach vorne gehende Platte, mit einzelnen ruhigen Momenten, die unbedingt auf die Live-Bühne gehört. 

Am 13.3 in Bern (Support-Act: Seulfa) oder 14.3 in Zürich (Support-Act: Noemi Beza) kannst du den Künstler hautnah erleben.

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