Veronica Fusaro
Am Sonntag schritt die Thunerin über den türkisfarbenen Teppich. Am Donnerstag steht sie im zweiten Halbfinale des Eurovision Song Contests. Die Wettbüros zweifeln, doch ihre Bühnenshow überrascht. Und Ende Jahr kehrt sie im Rahmen ihrer Europa-Klubtour auch wieder in der Schweiz auf der Bühne.
Wien, 200 Meter Teppich, 35 Delegationen, ein paar tausend Fans im Nieselregen: So begann am Sonntagabend der 70. Eurovision Song Contest. Mittendrin: Veronica Fusaro (29) in einem schwarzen Meshkleid des britischen Designers John Richmond. Eine Marke, die schon David Bowie und Michael Jackson auf der Bühne trugen. Die Etikette passt zur Thunerin: «Rock sollte sich neu definieren», hat sie im Vorfeld gesagt.
Fusaro tritt am Donnerstag, dem 14. Mai, mit Startnummer sieben an. Ihr Song «Alice» ist ein Pop-Rock-Stück im Dreivierteltakt, das von Gewalt gegen Frauen handelt. Musikalisch sticht er hervor in einem Jahrgang voller synthetischem Euro-Dance. Genau darin liegt eine Chance. Die Wettquoten sehen Fusaro zwar nur auf Rang 26 und damit ausserhalb der Top 25 fürs Finale. Doch die Regeln wurden angepasst: Jurys vergeben neu auch im Halbfinale die Hälfte der Punkte. Sie honorieren musikalische Substanz traditionell stärker als das reine Publikumsvoting.
Die Bühnenshow stammt vom schwedischen Staging Director Fredrik «Benke» Rydman, der bereits Nemos Drehbühne entworfen hat. Sie setzt auf eine düstere Bildsprache: Blutrote Seile symbolisieren Kontrolle, ein würfelförmiges Gerüst und ein Gitarrensolo mit Kniefall sind weitere Elemente. «Drama, Baby!», urteilte SRF nach den zweiten Proben am Freitag. Fusaro war dieses Mal deutlich zufriedener als nach dem holprigen Auftakt. In der ESC-Bubble kursiert bereits das Etikett «Dark Horse».
Politisch bleibt der Wettbewerb angespannt. Spanien, Irland, die Niederlande, Slowenien und Island boykottieren ihn wegen der Teilnahme Israels. Fusaro hält sich aus der Debatte heraus und möchte mit einer «Botschaft des Friedens» auftreten.
Was nach Wien kommt, ist längst geplant. Im Sommer schreibt sie neue Songs, am Samstag, 8. August spielt sie auf der Bühne des Heitere Open Airs in Zofingen. im Herbst startet ihre erste Europa-Clubtour durch sieben Länder. Kurz vor Weihnachten folgen dann zwei Schweizer Termine: Am Dienstag, dem 15. 12. 2026, spielt sie um 20 Uhr im Klubsaal des Kaufleuten in Zürich. Am Mittwoch, dem 16. Dezember 2026, gastiert sie ebenfalls um 20 Uhr im Bierhübeli in Bern mit Sanaë als Vorgruppe.
Ob Veronica am 16. Mai im Grand Final steht oder nicht – ihre Karriere geht so oder so weiter. «Musik ist wie Sport, aber ohne Ziellinie», hat sie kürzlich gesagt.