Es gibt Sänger, die man an ihrer Stimme erkennt, bevor der erste Vers zu Ende ist. Brandon Flowers gehört dazu. Mit den Killers hat er 25 Jahre lang Stadien gefüllt, mit Hymnen, die zwischen New Wave und Springsteen-Pathos pendeln. Jetzt macht er etwas, das seine Fans kaum kommen sahen: Country. Und zwar nicht als Ausflug, sondern als ganzes Album.
«Thrasher» heisst das Ding, aufgenommen in Nashville, mit Pedal-Steel-Gitarren, Mundharmonika und Streichern. Zehn Songs, alle von ihm geschrieben. Flowers sagt, er sei zur Musik seines Vaters zurückgegangen, dem «Country-Western», wie er ihn nennt. Man könnte das für eine PR-Zeile halten. Ist es aber nicht, wenn man «Pressure Machine» kennt, das Killers-Album von 2021, auf dem Flowers schon einmal von seiner Kindheit in Nephi, Utah erzählte. Arbeit, Armut, Religion, kaputte Träume. «Thrasher» ist die Fortsetzung davon, nur ohne seine Band im Rücken.
Wer je die staubigen Strassen von Nevada gefahren ist und in Carson City einen Halt gemacht hat, versteht diese Songs anders als vom Sofa aus. Diese Schwere, die gleichzeitig Weite ist. Genau das trägt «Thrasher»: Kleinstadtgeschichten, die grösser werden, je länger man ihnen zuhört. In «Plans» zerbrechen Jugendträume an der Realität. «Tiger's Blood» erzählt vom Weggehen und vom Sich-aus-den-Augen-Verlieren, ein langsam anrollender Country-Rocker, der hörbar bei Springsteen anlehnt. Und «Angel» erzählt von Menschen, die ihrer Herkunft nicht entkommen. Egal wie weit sie ziehen.
Und er kann auch Sozialkritik. «Miss America» ist die Perspektive einer Frau, die vor einem gewalttätigen Partner in ihr Elternhaus flieht und mit ihrem Glauben hadert, weil das Leid nie aufhört. Flowers ist Mormone, und diese religiöse Reibung zieht sich durch sein ganzes Werk, auch hier wieder.
Das Album hat einen Bogen: Es beginnt mit der Frage nach Zufall oder Fügung, geht übers Erwachsenwerden und Fernweh, und landet am Schluss bei «An American Dream», einem melancholischen Blick auf Gold, Glitzer und Elvis. Am Ende bleibt nur das Heimweh.
«Thrasher» ist unverkennbar Flowers. Manches Songs hätten auch auf ein Killers-Album gut geklungen. Aber der Richtungswechsel tut ihm gut, und er macht ihn gut. Verdient ein Ohr.