Mit ihrem neuen Album «Shish» schlagen Portugal. The Man ein überraschend persönliches Kapitel auf. Statt radiotauglicher Ohrwürmer liefert die Band aus Alaska ein vielschichtiges Werk voller kantiger Klänge, rauer Emotionen und tiefer Erdung – eine musikalische Rückkehr zu Herkunft, Gemeinschaft und Überleben.
Portugal. The Man sind bekannt für ihren eigenwilligen Mix aus Indie-Rock, Pop und Psychedelia – und für Hits wie «Feel It Still», der 2017 weltweit durch die Charts schoss. Acht Jahre später gehen sie mit ihrem zehnten Studioalbum bewusst einen anderen Weg. «Shish», erschienen am 7. November 2025 über das Label Thirty Tigers/KNIK, ist weniger Popprodukt als Klanglandschaft – ein wilder, ehrlicher und manchmal auch unbequemer Trip in die Identität der Band.
Schon der Albumtitel verweist auf die Wurzeln: «Shish» steht für Shishmaref, ein kleines Dorf an der Küste Alaskas, das vom steigenden Meeresspiegel bedroht ist. Für Frontmann John Gourley, selbst in Alaska aufgewachsen, ist das keine Metapher, sondern gelebte Realität. «Dieses Album ist ein Dankeschön an den Ort, von dem wir herkommen – und an die Menschen, die dort bleiben», sagt er in Interviews. Die Songs erzählen von Herkunft, Verlust, Zugehörigkeit – und davon, was bleibt, wenn die Welt sich verändert.
Musikalisch ist «Shish» ein Statement gegen Routine. Wo frühere Alben mit klaren Hooks und glänzender Produktion arbeiteten, setzt die Band nun auf rohe Energie, Gitarrenverzerrungen und komplexe Strukturen. Der Opener «Denali» markiert diese Richtung deutlich: treibender Rhythmus, verzerrte Stimmen, eruptive Chöre – ein Sound zwischen Aufbruch und Widerstand.
In «Mush» reflektiert Gourley die Sehnsucht nach Gemeinschaft: «We can be family» – eine Zeile, die sich gegen die wachsende Isolation der modernen Welt richtet. Der Song «Tanana» wiederum taucht tief in das emotionale Erbe Alaskas ein, mit Texten über generationsübergreifende Traurigkeit und das Ringen um Hoffnung.
Die zehn Songs des Albums wirken dabei wie eine Collage aus Erinnerungen, Klangexperimenten und Gefühlen. Kritiker beschreiben «Shish» als «verzerrt, komplex, hymnisch – und doch intim». Der Sound sei weniger glatt, dafür umso ehrlicher. Produziert hat die Band das Album weitgehend selbst – fernab des Major-Label-Mainstreams, mit mehr Freiheit und weniger Kompromiss.
Wer Portugal. The Man bisher nur als Hit-Maschine kannte, könnte überrascht sein. «Shish» ist kein gefälliges Radioalbum, sondern eine künstlerische Selbstvergewisserung. Es fordert Aufmerksamkeit – und belohnt sie mit Tiefe. Für Fans von Indie-Rock mit Haltung ist es ein Werk, das bleibt: laut, schön, unbequem.