Musicals und Shows

«Ich geniesse es jetzt noch mehr» – Interview mit Rolf Knie, der wieder «Charleys Tante» spielt

06.02.2025 von Christoph Soltmannowski

Nach über 450 Vorstellungen in den späten Achtzigerjahren feiert die Schweizer Dialektfassung von «Charleys Tante» ein fulminantes Comeback. Rolf Knie, damals wie heute als vermeintliche brasilianische Tante in der Titelrolle, tourt ab März 2025 erneut mit der turbulenten Komödie durch die Deutschschweiz. In unserem kurzen Interview sagt er, wie sehr im das auch mit 75 Jahren noch Spass macht.

event.: Was hat dich bewogen, nach so langer Zeit wieder in diese Rolle zu schlüpfen? 
Rolf Knie: «Ich dachte mir: Wenn ich es jetzt nicht mache, schaffe ich es körperlich nie mehr. Als ich meinen alten Kollegen, den Schauspieler Ruedi Haas, fragte, ob wir es nochmal wagen wollen, war er zwar skeptisch, aber schliesslich wurde es ein überraschender Erfolg.»

Und wie war es für dich, wieder in die Rolle zu schlüpfen? Was es anders als damals?
Es macht mir genauso viel Spass wie früher. Vielleicht geniesse ich es jetzt sogar noch mehr, weil ich weiss, dass es das letzte Mal ist. Damals stand ich am Anfang meiner Bühnenkarriere, heute schliesse ich den Kreis. 

Was macht die zeitlose Faszination dieses Bühnenschwanks aus?
«Charleys Tante» gibt es doch schon seit 1892, richtig?
Ja, das stimmt. Das Stück wurde von vielen grossen Schauspielern gespielt und verfilmt. Der Autor Hans Gmür hat es mir damals auf den Leib geschrieben, stark geprägt von meinen Zirkuserfahrungen und Slapstick-Elementen. Ich erinnere mich, dass er mir immer sagte: «Schau dir den Film mit Peter Alexander an.» Aber ich wollte es authentisch auf meine Art spielen. Diese Zusammenarbeit hat sich bewährt, und wir haben es damals über 420 Mal aufgeführt. Das Publikum lacht heute noch an den gleichen Stellen wie vor 30 Jahren: Das Stück ist ein Evergreen.»

Wie unterscheidet sich die aktuelle Inszenierung von der Fassung der Achtzigerjahre?
«Die Hauptgags sind geblieben, aber mit dem neuen Ensemble und Regisseur kamen frische Elemente dazu. Es ist nicht mehr Eins zu Eins wie früher – neue Ideen haben das Stück bereichert.»

War die körperliche Fitness eine Herausforderung?
Ich bin zwar fit, aber für Slapstick-Szenen wie das Springen auf Schulterlehnen braucht es Vorbereitung. Vor jeder Vorstellung mache ich Dehnübungen, um Zerrungen zu vermeiden.

Du hast viele Jahre zurückgezogen auf Mallorca gelebt. Hast du die Bühne vermisst?
«Ganz im Gegenteil! Nach meiner Bühnenkarriere genoss ich die Ruhe. In Mallorca kannte mich niemand – ich arbeitete rund um die Uhr im Atelier. Das Publikumsdruck-Dasein hatte ich abgelegt.»

Wie hat das Publikum auf die Wiederaufführung reagiert?
Besonders gefreut hat mich das Lob von Kritikern, die zunächst zweifelten, ob das Revival funktioniert. Fans zu überzeugen ist einfach – aber wenn selbst ehemalige Skeptiker «Chapeau!» sagen, ist das besonders befriedigend.

 

Die Komödie: Missverständnisse und Verwechslungen – zum Kaputtlachen

Die Handlung des 1892 uraufgeführten Stücks bleibt zeitlos: Zwei Studenten benötigen dringend eine Anstandsdame für ein romantisches Treffen – als Charleys brasilianische Tante kurzfristig absagt, springt kurzerhand ihr Freund Lord Babberly (gespielt von Knie) in Perücke und Seidenkleid ein. Was als harmlose Maskerade beginnt, entwickelt sich zu einem Wirbelwind aus Missverständnissen und Slapstick-Einlagen.

 «Meine Erwartungen haben sich bei weitem übertroffen», verrät Knie angesichts der aktuellen Tournee, die seit Januar 2024 bereits 33 ausverkaufte Vorstellungen verzeichnet. Ein Erfolg, der an die legendäre Erstauflage anknüpft, als 172’000 Besucherinnen und Besucher die Vorstellungen stürmten.

Unter der Regie von Jan Bodinus präsentiert sich die Farce von Brandon Thomas in der Schweizerdeutschen Fassung des legendären Hans Gmür (1927-2004) mit frischem Wind. Neben Knie glänzen Maja Brunner, Christoph Wettstein und Patric Scott in tragenden Rollen. Trotz behutsamer Modernisierungen bleibt der Kern der turbulenten Verwechslungskomödie erhalten: Ein studentischer Flirtplan gerät ausser Kontrolle, als die titelgebende Anstandsdame ausbleibt und kurzerhand ein falscher Ersatz einspringen muss.

Verlängerungs-Premiere in Rapperswil

Wegen des anhaltenden Ansturms wurde die Tournee bis Frühjahr 2025 verlängert. Die Premiere der zusätzlichen Vorstellungsreihe findet am 15. März 2025 im Entra Rapperswil statt. 

Charleys Tante Tickets

Könnte dich auch interessieren