Fällt es dir leicht, die richtigen Worte zu finden, um dich dir selber zu erklären?
Ich würde es nicht als einfach bezeichnen. Leonard Cohen hat mal gesagt: «Wenn ich wüsste, woher die Songs kommen, würde ich diesen Ort öfters besuchen.» Ich wünschte, ich könnte dorthin gehen und meine Gefühle übersetzen lassen. Wenn es aber gerade gut läuft, ist es das Einfachste auf der Welt. Aber dorthin zu gelangen fällt mir schwer. Kürzlich habe ich ein Interview mit Leonard Cohen gesehen. Er sagte, dass sein einziger Job als Handwerker sei, seine Werkzeuge scharf zu halten, um jederzeit bereit zu sein.
Hast du beim Musikhören den Drang, Dinge zu verbessern?
Eigentlich ist es genau das Gegenteil. Wenn ich Songs höre, will ich nur meine Gitarre wegschmeissen und nie mehr Musik machen. Ich denke mir dann, ich werde es nie schaffen, so genau meine Emotionen auszudrücken oder zu erzeugen. Ich wünsche mir dann, das auch zu können.
Was macht deiner Meinung nach einen guten Song aus?
Ehrlichkeit. Ich höre so viele verschiedene Musik. Von Klassik über Rock ’n’ Roll zu Hip-Hop und Pop. Wenn ich bei all diesen Genres eine Gemeinsamkeit suchen müsste, wäre das wohl Ehrlichkeit. Meistens wird diese Ehrlichkeit durch Lyrics ausgedrückt. Aber bei Bob Marley zum Beispiel spüre ich seine Ehrlichkeit in der Musik, obwohl ich keinen Reggae mag. Es gibt diese zwei Pfeiler, die mich ausmachen: Bob Dylan und Leonard Cohen. Betrachtet man diese zwei Künstler genau, stellt man fest: Sie wählen ihre Worte sehr genau und verbinden dies mit einer wunderschönen Pop-Melodie. Das ist einfach unglaublich, und alles, was ich auch machen will.
Du reist viel. Wie entspannst du dich?
Auf zwei ganz gegenteilige Arten: Einerseits tauche ich tief in mich selber ein. Ich lese Bücher, die all diese Fragen in mir wecken. Wenn ich genug davon habe, finde ich mich auch in Momenten der typischen Flucht-Unterhaltung wieder. Dann spiele ich Nintendo. Ich versuche das zusammen mit den Jungs zu machen, um ein bisschen in Gesellschaft zu sein.
Wo ist dein Zuhause?
Ich verfolge das Prinzip «Home is where the heart is». Ich hab meinen Koffer voller Kleider, der mich stets begleitet. Ich habe aber in Italien ein Grundstück gekauft und habe zwei Pferde, zwei Hunde und eine Katze. Dieses Jahr habe ich sogar mein eigenes Olivenöl gemacht. Es ist unglaublich! Das fühlt sich wie zu Hause an. Auch wenn ich nicht immer dort bin, kann ich etwas pflanzen, und wenn ich zurückkomme kann ich es wachsen sehen. Die Tiere geben mir Bodenständigkeit, weil ich sie vermisse und sie mich auch.
Welches ist dein Lieblingsdrink?
Ich trinke viel Whiskey. Ich versuche aber, zum Rum zu wechseln. Das gibt mir ein Gefühl, wie ein Pirat zu sein.
ASAF AVIDAN
Di 10. April 2018, Kaufleuten Zürich
TICKETS