Nach welchen Kriterien suchst du deine Songs aus?
In allererster Linie müssen sie mir gefallen. Dann muss man sich überlegen, wie weit man vom Original abweichen darf, damit der Wiedererkennungseffekt bleibt und man gleichzeitig einen interessanten Geigenpart schreiben kann. Es gibt noch Tausende weitere Kleinigkeiten, die eine Rolle spielen, bis dasStück auch im Arrangement mit einem
klassischen Instrument funktioniert.
Neben dem Crossover spielst du auch zahlreiche klassische Konzerte. Was ist anspruchsvoller?
Es ist beides sehr unterschiedlich. Diese sechs bis siebenmonatigen Crossover- Tourneen sind immer so ein kleines Gesamtkunstwerk. Es wird viel vorbereitet. Ich arbeite auch zusammen mit meinem Team daran und möchte wissen, wo ich bei welchen Songs auf der Bühne stehe, was für Lichter und Lichtfarben wir haben – und so weiter. Auf diese Details lege ich seit vielen Jahren sehr viel Wert. Natürlich ist die Konzentrationsphase bei einem 45-minütigen Violinkonzert eine andere als bei einem nur dreiminütigen Song. Aber letztlich geht es um die Interpretation und um die Nuancen, die man in ein Stück hineinbringt. Das ist immer sehr anspruchsvoll.
Du hast bereits mit vielen bekannten Orchestern gespielt. Mit wem hast du
noch nicht – und willst du noch?
Mit den Berliner Symphonikern. Das wäre schon ein Wunschtraum.
Wie oft erfährst du als weltbekannter Musiker Kritik?
Ich muss sagen: In den letzten paar Jahren war es sehr angenehm, was die
Kritiken angeht. Gerade auch imklassischen Bereich. Am Anfang gab es schon einige Vorurteile und Vorbehalte.
Führst du vor dem Konzert ein Ritual durch?
Tief durchatmen! (lacht)
«Itzhak Perlman lehrte mich, meine eigene Interpretation zu suchen.»
Heisst das, du bist noch nervös?
Absolut! Ich glaube, Nervosität ist auch wichtig. Das ist ein Stück weit auch ein
gesunder Anteil Adrenalin. In dem Moment, in dem ich die Bühne betrete, beginnt die Konzentration – und als Profi bringe ich die Nervosität schnell unter Kontrolle.
Während deines Musik-Studiums in New York hast du mit einem der bekanntesten Geiger studiert. Was hast du von Itzhak Perlman mitgenommen?
Extrem viel! Das Allerwichtigste ist, dass man sich selber treu sein muss. Sprich, dass du nie etwas tun solltest, ohne darüber nachzudenken. Dass man sich immer hinterfragt, egal wie oft man ein Konzert gespielt hat oder wie gut man es spielt. Er hat mir immer gesagt: «Such deine eigene Interpretation und hör dir keine CDs an!» An diesen Rat habe ich mich immer gehalten.
Was ist dein Lebensmotto?
Für die nächste Tour ist es «unlimited». Das ist auch der Begriff, den ich musikalisch für mich immer verinnerlicht habe. Weil ich mir nie Grenzen setzte, was andere Genres betrifft.
DAVID GARRETT
14.05.2019, Hallenstadion Zürich
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