Mussten Sie Reitstunden nehmen?
Bringold: Reiten kann ich schon, aber ich habe wieder Stunden genommen, um meinen Stil zu verbessern. Weil ich ein paar Jahre nicht mehr geritten bin, wollte ich einfach auf Nummer sicher gehen.
Verstehen Sie sich mit dem Pferd gut?
Bringold: Es ist noch ein wenig unsicher, aber das wird sich schon ergeben – wir haben bereits in München zusammen trainiert. Es funktioniert immer besser.
Wie haben Sie sich auf die Rolle vorbereitet?
Bringold: Ich lese die Winnetou-Bücher von Karl May, um besser zu verstehen, was er wirklich vermitteln wollte. Tom kann das zwar gut erklären, aber es war mir wichtig, die Storys auch selber zu lesen.
Die Story spielt vor weit mehr als über 100 Jahren – ist das damals gängige Frauenbild noch aktuell?
Bringold: Liebe wird auch in hundert Jahren noch so funktionieren wie heute – oder wie schon damals war. Es ist so einfach und so kompliziert zugleich, und genau das ist es ja, einfach und eben doch komplex und schwierig. Sie sucht sich aber ihre Liebe selber aus und entscheidet selber, wem sie ihre Liebe schenken will. Sie ist eine starke Frau, die sich nicht unterkriegen lässt.
«Die Zuschauer sollen mit uns in diese Welt eintauchen und die Geschichte mit sich nehmen.»
Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit Tom Volkers am meisten?
Bringold: Dass ich absolut ehrlich sein kann. Er nimmt Kritik an, ich muss mich nicht verstellen oder die Faust im Sack machen. Ich habe keine Angst, mich einzubringen – obwohl er der Produzent ist und mich gecastet hat – und jederzeit aus der Produktion feuern könnte.
Tom Volkers, was schätzen Sie an Giusy Bringold?
Volkers: Dass sie sich etwas traut. Sie ist eine Macherin, fordert viel von sich selber, ist erfolgsorientiert, ehrgeizig und streng mit sich selber. Aber jetzt wirds interessant: Wir probten gestern eine Szene, bei der plötzlich alles in eine grosse Sensibilität kippte. Wir hatten bei dieser Szene alle Tränen in den Augen, sogar der Regisseur. Da habe ich in ihren Händen erstmals eine Unsicherheit gespürt. Das ist schön, weil Schwäche zuzugeben menschliche Grösse ist. Genau dieser Perfektionismus und die Disziplin sind in diesem Moment gekippt, als ich dachte: Lass los, lass dich führen!
Bringold: Kontrolle abgeben …
Volkers: … genau, die Kontrolle abgeben und vertrauen.
Das tönt gut, Sie erleben hier auch ein eigenes Abenteuer. Offensichtlich ist ganz viel Herzblut mit im Spiel. Was wollen Sie den Freilichtspielbesuchern mit auf den Weg geben?
Volkers: Ich hoffe, dass die Besucher, die zum zweiten Mal kommen, finden: «Hey, das war so schön! Hoffentlich bringen sie im nächsten Jahr eine weitere Geschichte.» Und dass die Zuschauer, die zum ersten Mal kommen, bereuen, beim ersten Mal nicht mit dabei gewesen zu sein. Ich wünsche mir, dass sie die ganze Klaviatur an Persönlichkeiten ins Herz schliessen. Dass sie gemeinsam mit uns in diese Welt eintauchen können – dass sie die Geschichte mit sich nehmen und diese noch einige Tage nachschwingt.