Musik

Jimmy Brown, UB40: «Wir haben nie versucht, Trends zu folgen»

25.02.2026 von Christoph Soltmannowski

Event sprach mit Jimmy Brown, Gründungsmitglied und Drummer von UB40, über 47 Jahre Reggae, die Schönheit der Schweiz und das Geheimnis einer langen Bandkarriere. Am 18. März 2026 spielt die legendäre Band in Zürich, am 20. März dann in Adelboden.

Jimmy, UB40 machen seit 47 Jahren Musik. Hat sich in dieser Zeit eigentlich viel verändert?

Jimmy Brown: Wir spielen immer noch Reggae, das ist nach wie vor unser Ding. Aber die Technologie hat alles revolutioniert. Früher schnitt man Bänder mit Rasierklingen; heute erledigt das der Computer in Sekunden. Es ist viel einfacher geworden, einen Song aufzunehmen. Aber im Kern sind wir nach 47 Jahren immer noch dieselben.

Nach so langer Zei: Wird das Musikmachen nicht irgendwann langweilig?

Nein, überhaupt nicht. Wir werden dafür bezahlt, das zu tun, was wir am liebsten machen. Für viele Leute ist das ein Traum. Musik ist für uns eine Berufung. Wir haben unser ganzes Leben kreativ verbracht, Familien gegründet, Häuser gebaut und ein gutes Leben geführt – und das alles nur, weil wir etwas tun, das wir lieben. 

Wie steht es um die Kreativität? Nimmt sie mit den Jahren ab oder wird sie sogar stärker?

Bei Live-Auftritten werden wir immer besser. Die Band wird enger, präziser, das macht riesig Spass. Wir sind jetzt elf Leute auf der Bühne, eine richtig grosse Band, und das Gefühl, Teil dieses Ensembles zu sein, ist grossartig. Beim Songwriting ist es manchmal schwieriger. Wir schreiben hauptsächlich politische Texte, meist über Klassenkampf. Aber ja! Die Live-Shows werden mit jedem Jahr stärker.

Glaubst du, dass Musik die Welt verändern kann, auch politisch?

Sie kann Botschaften verbreiten, definitiv. Denk an die Anti-Apartheid-Zeit: Künstler wurden verbannt, weil das Regime sie als gefährlich ansah. Also ja, es kann etwas bewirken. Aber die Welt grundlegend ändern? Eher selten. Am Ende reicht es meist nicht aus.

Wie siehst du die aktuelle Weltlage? Wird alles besser oder schlechter?

Ich glaube, es wird erst schlimmer, bevor es besser wird. Es ist am dunkelsten vor der Dämmerung. Wir erleben gerade das Ende einer Ära – «late stage capitalism», massive Korruption an der Spitze, Lügen, Kriminalität. Die Menschen sehen jetzt klarer, wie korrupt das System ist. Vielleicht führt genau diese Erkenntnis irgendwann zu Veränderung. 

Auf eurer Website kann man schon das neue Album vorbestellen. Wie weit seid ihr?

Wir sind stolz darauf. Es fühlt sich frisch und lebendig an. Ich denke, es könnte unser bestes Album bisher sein. Auch wenn ich das bei jedem sage (lacht). Es ist zu 75% fertig, das genaue Erscheinungsdatum steht noch nicht fest.

Du hast mal gesagt, dass die Schweiz zu deinen Lieblingsorten zum Spielen gehört. Warum?

Es gibt gleich mehrere Gründe! Zum einen ist die Schweiz einfach eines der schönsten Länder in ganz Europa. Diese Berglandschaft – das ist atemberaubend. Es gibt nicht viele Länder mit dieser Art von Natur. Ich liebe es. Die Menschen sind unglaublich warmherzig. Und ich glaube, ein Schweizer Publikum weiss wirklich zu schätzen, was wir tun.

Ihr seid nicht mehr die Jüngsten. Wie hält man sich körperlich fit für diese langen Tourneen? Andere Leute gehen in eurem Alter in Rente.

Man lernt mit der Zeit, effizienter zu spielen. Ich spiele heute besser Schlagzeug als mit 20, weil ich Techniken entwickelt habe, bei denen ich weniger Kraft aufwenden muss. Zudem gibt die Familie – ich habe drei Enkelkinder – die nötige Stabilität. Die Kleinen finden es ziemlich cool, dass Opa auf der Bühne steht.

Was ist das Geheimnis dieser aussergewöhnlichen Langlebigkeit von UB40?

Dass wir uns immer treu geblieben sind. Wir haben nie versucht, Trends zu folgen oder modisch zu sein, sondern einfach immer Reggae gespielt. Wir haben hart gearbeitet, nie aufgehört und sind ständig getourt.

Zum Abschluss: Gibt es ein besonderes Schweiz-Erlebnis, das dir in Erinnerung geblieben ist?

Die Fahrt mit dem Autozug durch den Berg war magisch. Man steht still und plötzlich ist draussen alles weiss. So etwas gibt es in England nicht. Man fühlt sich der Natur einfach näher.

 

 

 

UB40 wurde 1978 in Birmingham gegründet und entwickelte sich zur erfolgreichsten Reggae-Band der britischen Geschichte, mit über 70 Millionen verkauften Tonträgern. Nach einigen Umbesetzungen, unter anderem nach dem Ausstieg von Sänger Ali Campbell 2008, tourt die Band heute in einer 11-köpfigen Besetzung.

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