Klingt ein bisschen wie die «Helene Fischer Show».
Genau, eigentlich wie das, nur auf Englisch. Die Show brachte mir zusätzliche Aufmerksamkeit in Australien und Asien, da sie dort auch ausgestrahlt wurde. Ich konnte es kaum fassen, als mich am Flughafen von Singapur jemand erkannte.
Von 1994 bis 1999 sassen Sie als Abgeordnete im Europaparlament, allerdings nur für eine Amtszeit.
Das war ein Abenteuer, das ich nie suchte. Aber es war toll, ich habe viel gelernt und viele Freunde gefunden. Trotzdem hätte ich das nicht länger als eine Amtszeit machen können, sonst hätte ich mit dem Singen herunterfahren müssen. Ich glaube, ich habe dort einen guten Job gemacht. Nichtsdestotrotz wollte ich Sängerin bleiben.
In einem Interview sagten Sie, dass sich dort vieles nur um Machterhalt und Parteiengehabe drehte. Sind Sie enttäuscht von der Politik?
Politiker haben dort eine grosse Verantwortung, egal in welchem Land sie sind. Meiner Meinung nach ist es wichtig, dass die Länder mehr zusammenarbeiten und bei Konflikten Kompromisse finden. Ich glaube an Europa und bin eine grosse Unterstützerin der Europäischen Gemeinschaft.
Sollte die Schweiz Ihrer Meinung nach auch ein Teil der EU werden?
Es liegt nicht an mir, das zu entscheiden. Jeder soll das Recht haben beizutreten. Ich mag die Schweiz für das, was sie ist. Die Einwohner haben es gut. Die anderen Länder hatten Probleme oder waren im Krieg, deshalb ist es wohl wichtiger, die Situation der Schweiz zu wahren.
Wie beobachten Sie die Lage Griechenlands?
Aktuell ist es schwierig, auch wegen der vielen Flüchtlinge. Die Griechen kämpfen, wie viele andere Länder auch, mit dieser Situation. Ich bin eine Optimistin und denke, dass wir eine Lösung dafür finden. Griechenland ist ein wundervolles Land, wir haben eine grossartige Geschichte und sollen nicht leiden.
Sie verzichteten wegen der Finanzkrise auf Ihre Rente vom Europaparlament und gaben das Geld weiter an den griechischen Staat. Unterstützen Sie Griechenland noch heute?
Ja, wo ich kann. Ich habe Flüchtlinge unterstützt, allerdings nicht nur in Griechenland, sondern auch in anderen Ländern. Ich unterstütze viele NGOs, unter anderen das Rote Kreuz, die sich mit dem Thema beschäftigen. Es ist ein Teil meines Lebens, auch zu helfen. Vor allem meine Zusammenarbeit mit Unicef hat mir geholfen, diese Sachverhalte zu verstehen und zu helfen.
Griechenland und Deutschland hatten ja vor allem während der Finanzkrise eine angespannte Beziehung – zwei wichtige Länder für Sie. Wie haben Sie die Situation verfolgt?
Ich mag es nicht, wenn meine Heimat in Konflikt mit einem anderen Land steht. Deutschland ist ein Land, das vielen hilft, und in Griechenland war es nur eine Frage der Zeit, bis diese Probleme, die wir haben, auf uns zukommen. Ich hoffe aus ganzem Herzen, dass sich die Beziehung zwischen den beiden Ländern wieder beruhigt.
Was denken Sie über die Musik, die heute in der Hitparade ist?
Gute Musik gab es schon immer und wird es auch immer geben. Heutzutage gibt es aber Songs, die für mich auf die Schnelle schwieriger zu verstehen sind. Ich höre mich langsam in neue Musik ein und kenne nicht viele Künstler. Stromae halte ich für einen aussergewöhnlichen Künstler, er ist so talentiert und besitzt ein breites Spektrum. «Papaoutai» war der erste Song, den ich von ihm gehört hatte.
«Forever Young» wird Ihr 134. Album. Kennen Sie überhaupt noch alle Lieder, die Sie aufgenommen haben?
Nein, überhaupt nicht! Aber ich weiss, dass ich so viele Songs aufgenommen habe. Ich habe viele Alben in verschiedenen Sprachen aufgenommen und musste viele verschiedene Märkte bedienen. Deshalb habe ich manchmal zwei bis drei Alben pro Jahr aufgenommen. Dadurch hatte ich auch viel Abwechslung, weil sich viele Songs nicht wiederholten. Es gibt viele Lieder, die ich nur in einer Sprache aufgenommen habe.
Sie tragen gerade eine rote Schleife. Warum?
Natürlich geht es dabei um den Kampf gegen Aids, das ist auch ein Thema für mich als Unicef-Botschafterin. Aber diese Brosche gehört einem jungen Mann, der mit seinem Freund in Dänemark an mein Konzert kam und meine Songs eigentlich gar nicht mochte. Der Freund des jungen Mannes organisierte aber, dass ich bei einem Konzert den dänischen Song «Lille Ole» gesungen habe. Später schickte er mir diese Brosche mit der Nachricht, dass er in der letzten Zeit meine Musik gern bekam. Leider verstarb der junge Mann vor kurzem, deshalb hat diese Brosche für mich zwei Bedeutungen.
Eine traurige, aber zugleich schöne Geschichte. Werden Sie in der Deutschschweiz ein schweizerdeutsches Lied singen?
Das ist witzig, eigentlich mache ich das überall, aber auf Schweizerdeutsch habe ich noch nie gesungen! Wenn Sie ein Lied wissen, welches passt, lassen Sie es mich wissen.
Was ist der Schlüssel zum Erfolg in der Musikindustrie?
Ich glaube nicht, dass den jemand kennt. Das Wichtigste ist, dass man daran glaubt, was man macht, und seine Arbeit glaubhaft vorträgt.
NANA MOUSKOURI «FOREVER YOUNG»
Mo 12.3.18, KKL Luzern
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